Wie wir als Digitale Nomaden von 500 Euro im Monat leben

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Das klingt verdammt wenig für zwei Leute, oder? Jetzt wirst Du Dir denken: „ Na klar, da müsst ihr sicher auf Einiges verzichten.“ Aber ganz im Gegenteil, uns fehlt es an nichts. Im Moment haben wir unsere temporäre Homebase nach Malawi ans Cape Maclear verlegt, weil es hier alles gibt, was wir als Digitale Nomaden brauchen. Vor allem einen inspirierenden Arbeitsplatz – unser mobiles Büro mit Blick auf den Malawisee.

Digitale Nomaden am Lake Malawi

Unsere monatlichen Ausgaben zu Zweit am Cape Maclear:

Unterkunft
Lebensmittel & Getränke
Ausgehen
Internet
sonstige Ausgaben (z.B. Kleidung)

Als digitale Hanomaden haben wir das eigene Zuhause immer dabei

Wir brauchen nicht in einem Schlafsaal übernachten oder uns in ein kleines Zelt quetschen, um bei der Unterkunft Geld zu sparen, denn wir haben unser mobiles Haus dabei – unseren 46 Jahre alten Hanomag A-L 28, den wir selbst kostengünstig als Reisemobil ausgebaut haben. So zahlen wir Campingpreise und haben dennoch relativ viel Komfort: Zum Beispiel können wir jede Nacht in unserem eigenen Bett auf einer bequemen Matratze schlafen.

 Hanomag A-L 28 in Tiwi Beach, Kenia

Länger bleiben, weniger zahlen und den Ort intensiv kennenlernen

Meist bleiben wir mindestens einen Monat an einem Ort, so dass man mit den Campingplätzen einen besonderen Langzeittarif ausmachen kann. (Am Cape Maclear gefällt es uns so gut, dass aus einem geplanten Monat, nun bereits schon sieben Monate geworden sind.) Dadurch haben wir auch mehr Ruhe für die Arbeit an den eigenen Online Projekten. Außerdem knüpft man besser Kontakte vor Ort und weiß, wo man am besten einkaufen kann. Hinzu kommt dass wir, solange wir an einem Ort bleiben, keine Ausgaben für Diesel haben.

Günstig shoppen, selbst kochen und Streetfood probieren

Mit vielen Lebensmittel – wie z.B. Gewürze, Käse und Kaffee, die man am Cape Maclear nicht oder nur sehr teuer kaufen kann, haben wir uns in großen Supermärkten in der Stadt eingedeckt. Da kommt uns zu Gute, dass der Hanomag viel Platz bietet. Frisches Gemüse und Obst je nach Saison sowie Mehl, Zucker oder Reis kaufen wir auf lokalen Märkten.

Im Gegensatz zu vielen Backpackern, gehen wir nur selten essen. Nicht nur, um Geld zu sparen, sondern auch weil die meisten Restaurants sehr ähnliche Gerichte anbieten. Das würde uns auf Dauer langweilig werden. Zum Frühstück backen wir oft Brot in einem Dutch Oven auf dem Feuer. Dazu gibt es selbst hergestellte Marmeladen und Brotaufstriche wie Baba Ganoush oder Sakuska. Seit wir reisen sind wir viel kreativer geworden. Auch ohne Ofen müssen wir nicht auf Pizza verzichten, denn wir machen sie einfach selbst in der Pfanne. Hin und wieder kaufen wir Pommes vom Straßenimbiss, die nur 0,40 € pro Portion kosten. Unser Lieblingssnack sind leckere Samusas für weniger als 0,50 € pro Stück von Chris, der leider gerade Cape Maclear wegen einem Jobangebot verlassen hat.

Weniger ausgehen, aber dafür richtig genießen

Statt jeden Abend in einer Bar etwas trinken zu gehen, kaufen wir Bier im Laden und sitzen oft mit anderen Reisenden am Strand oder Lagerfeuer. Zudem gönnen wir uns als Sundowner immer mal wieder einen Gin & Tonic gemixt mit dem günstigen aber sehr guten Malawi Gin (weniger als 5 Euro pro Flasche). Circa 40 % der Lebensmittel- und Getränkekosten, geben wir für Alkohol aus, da vor allem Bier sogar etwas teurer ist als in Deutschland – ein Kasten mit 20 x 300 ml Flaschen kostet 11 Euro.

Wenn wir mal keine Lust zum selber Kochen haben, gibt es in der Fat Monkey’s Lodge, wo wir campen, einen Hamburger mit Pommes für 3 Euro und in der Mgoza Lodge einen Ziegenfleischburger mit Pommes schon für knapp unter 2 Euro. Zu besonderen Anlässen gönnen wir uns auch mal ein 3-Gänge-Menü in einem gehobenen Restaurant: Für rund 13 Euro bekommen wir beispielsweise zur Vorspeise einen Salat mit Rindfleischstreifen, als Hauptgang 300 Gramm Filetsteak und zum Dessert Mousse au Chocolat.

Sundowner at Cape Maclear, Lake Malawi

Monatstarif fürs Internet

Klar, als Digitale Nomaden benötigen wir Internet. Da kommt es uns wieder zu Gute, dass wir für längere Zeit an einem Ort bleiben. Denn so können wir einen Monatstarif abschließen. Für rund 45 Euro pro Monat bekommen wir unlimitiertes Internet an Wochenenden und zwischen 18 Uhr und 6 Uhr sowie 3 GB in der restlichen Zeit. Verglichen mit Deutschland ist das natürlich teuer, aber in Afrika ein echtes Schnäppchen. Unterm Strich kommt es schließlich auf die gesamten Lebenshaltungskosten an und da ist Malawi sehr günstig.

Kleidung Second-Hand kaufen und nähen lassen

Einmal pro Woche gibt es einen Markt, wo alles an gebrauchten Klamotten angeboten wird. Allerdings muss man sich durch große Haufen wühlen, wobei auch sehr viel Schrott darunter ist. Wir haben aber einige tolle Markensachen entdeckt. So kostet zum Beispiel eine Badeshorts ca. 2 Euro und ein Bikinioberteil nur 0,60 Euro.

Auf dem Markt landet die Kleidung, die in westlichen Ländern in die Altkleidersammlung gegeben wird. Das nimmt natürlich zum Teil den lokalen Schneidern die Arbeit weg, denn so billig können sie Kleidung nicht herstellen. Um diese auch zu unterstützen lassen wir uns einige Kleidung mit lokalen Stoffen nähen – eine Shorts kostet zum Beispiel rund 5 Euro.

Fazit

Du siehst, günstig leben muss nicht Verzicht bedeuten. Wir haben ein “Haus aka Hanomag” am See. Um nette Leute kennenzulernen, müssen wir nicht unbedingt etwas unternehmen – immer wieder kommen spannende Reisende bei uns im Outdoor-Büro vorbei. Zudem ist es das ganze Jahr über relativ warm und wir können immer an der frischen Luft arbeiten. Wenn wir Sport treiben wollen, laufen wir nur knapp 10 Meter und können schwimmen gehen. Für uns ist das ein Luxusleben!

Was gebt Ihr im Monat aus? Habt Ihr Tipps, wie und wo man günstig leben kann?

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Über den Autor

hatte schon immer Fernweh. Als digitale Hanomadin hat sie das Reisen zu ihrem Lebensstil gemacht. Auf runterwegs.de teilt Sie mit Dir Reiseerfahrungen, Reisetipps und was ihr sonst noch in den Sinn kommt.

20 Kommentare

    • Hallo Andre,
      das freut uns. Übrigens Euer Blogname ist auch klasse. Und die Kombination von Geschichtstourismus und Abenteuer ist auch mal was anderes.
      Viele Grüße,
      runterwegs

  1. Hallo ihr beiden,

    es ist schon wahnsinnig, wie wenig man braucht, wenn man ausserhalb von Europa ist. Wobei Malawi ja für afrikanische Verhältnisse eher günstig ist.

    Allerdings habe ich den Eindruck, dass auf der Liste doch noch ein paar Kleinigkeiten fehlen, die für eine vollständige Berechnung der Kosten wichtig wären.

    Wie sieht es aus mit Versicherungen? Ich habt doch sicherlich eine Auslandskrankenkasse und vermutlich braucht ihr auch für den Lastwagen noch irgendeine Form der KFZ-Versicherung. Ausserdem braucht ihr bei so einem langen Aufenthalt ja auch noch was fürs Visum. Ebenfalls vermisse ich einen Posten fürs Benzin und das soll ja wegen des Mangels in Malawi recht teuer sein. Auch wenn ihr hauptsächlich an einem Ort steht, werdet ihr wohl hin und wieder den Motor anstellen müssen.

    Ich denke, ich rechne eher konservativ, wenn ich davon ausgehe, dass Eure realen Ausgaben mindestens doppelt so hoch sind. Aber das ist natürlich immer noch günstig. :)

    • Hallo Oli,
      Malawi ist eins der billigsten Länder in denen wir bisher waren.
      500€ sind tatsächlich unsere gesamten Ausgaben hier am Cape Maclear, wie z.B. auch alle Visakosten (für Deutsche ist der erste Monat umsonst, jeder weitere kostet ca. 10€ p.P.). Die Ausgaben für die Krankenversicherung (40€/Monat pP) fehlt, da wir diese bereits im voraus für 3 Jahre bezahlt haben und nicht in Malawi ausgeben. Die angegebenen Ausgaben sind ein monatlicher Durchschnitt aller Lebenshaltungskosten hier am Cape Maclear. Wir hatten auch einmal einen teuren Monat mit ca. 650€ (Beantragung eines temporären Resident Permits – 60€ p.P.) und mehrere mit niedrigeren Ausgaben zwischen 350€-400€ darunter. Diesel ist in Malawi wirklich extrem teuer (ca. 1,55€/l). Während unseres Aufenthalts am Cape Maclear benötigen wir aber so gut wie keinen Diesel, da wir unsere Batterien extern laden und den Motor nur alle 2-3 Monate für ca. 5 Minuten starten.

      Viele Grüße aus Cape Maclear,
      runterwegs

  2. Pingback: Der Reiseblogger Wochenrückblick KW 39 | pixelschmitts Reiseblog

  3. Wow, das liest sich so dermaßen spannend, dass ich am liebsten meine Reisetasche und nen Laptop schnappen möchte :-)

    Wenn man woanders ist, fällt der Verzicht (der im Grunde gar keiner ist) nicht sonderlich schwer, weil man einfach das Leben genießt!

  4. Ach, bin ich neidisch auf euch! Als langweiliger Schreibtischtäter in Deutschland bin ich wohl nicht in der Lage, euch Tipps zu geben, wie und wo man günstig leben. Und was ich so im Monat zum Leben brauche, verschweige ich auch lieber. Ich halte meinen Kommentar kurz und will euch einfach nur meine Bewunderung ausdrücken, dass ihr so mutig seid und einfach aussteigt.

  5. Hallo,

    wir sind vor einiger Zeit schon auf Eure Seite gestossen, weil es auch schon lange unser Traum ist, dieser Materialistischen Welt zu endfliehen.
    Wir haben uns im Juli einen Hanomag Baujahr 57 gekauft. Er ist komplett ausgebaut, von früher noch, da es ein Verpflegungswagen war.
    Unser Plan sieht so aus, das wir uns jetzt Informationen und Tipps aus Reiseberichten sammeln und uns langsam vorbereiten. Wenn alles klappt, möchten wir in ca. 5 jahren los ,wenn das letzte Kind das Haus verlassen hat.
    Vorrausgesetzt es klappt mit dem Finanziellen , wenn wir das Haus vermieten.
    Eure Seite hat uns schon viele Tipps geliefert, aber wir haben noch viele Fragen offen.
    Wir finden es toll, wie ihr das so macht !!!

    lg Sven + Petra

  6. Noch was……die Pfannenpizza hab ich übrigens schon ausprobiert ,als wir mit dem Hanno im Sommer 1 Woche auf dem Herzberg-Festival waren. Supi wars.

    Würd uns freuen was von Euch zu hören….vllt habt ihr noch ein Paar Tipps unsere Traumroute ist es von Marocco die Westküste runterzufahren .

    lg Sven + Petra

    • Freut uns das Ihr die Pfannenpizza gemacht habt und sie Euch geschmeckt hat :)
      Wegen der Tipps schreib ich Euch eine e-mail, auch wenn wir Westafrika nicht kennen.
      Grüße aus Blantyre

  7. Beeindruckend und sehr inspirierend, vielen Dank für diesen Post. Aber meine Mutter würde sagen „Legst Du nichts für die Zukunft zurück“? ;)

    LG,

    Marit

    • Meine Mutter hat das immer gesagt und auch gemacht. Und dann ist sie mitten in der Altersteilzeit gestorben und konnte sich ihre Träume für die Zeit der Rente nicht mehr erfüllen. Deswegen lebe ich lieber jetzt, als für ein schöneres Leben irgendwann später zu sparen…Freunde von uns haben da einen passenden Spruch gesagt, der uns sehr gefallen hat: „Invest in memories…“Außerdem arbeiten wir an einem passiven Einkommen, was dann auch in der Rentenzeit noch Bestand hat.

  8. Ist das denn wirklich ALLES an Ausgaben die ihr im Monat habt. Was ist denn mit Krankenversicherung und Autoversicherung ? Die seh ich dabei nicht, aber habt ihr auch ,oder ?

    • Hallo Petra,
      wie bereits in der Antwort auf Olivers Kommentar erwähnt, sind in den 500€ alle Ausgaben erhalten die wir am Cape Maclear, Malawi hatten. Unsere Auslandskrankenkasse (40€/Monat pro Person)haben wir bei Vertragsabschluss komplett für 3 Jahre bezahlt, somit fallen diese Kosten nicht mehr monatlich an.
      Grüße

  9. Also so billig kommt ihr in Europa natürlich nicht weg. Generell führe ich ein ähnliches Leben, auch als digitaler Nomade, aber in Europa. Schaut mal in meinen Blog, falls es euch interessiert. (www.wagenblog.org)

    Trotzdem ist schon interessant zu lesen, was manch einer für Vorstellungen hat, was das Leben unterwegs so kostet. Auch im eigenen Bekannten- und Freundeskreis treten da Vorstellungen zu Tage, dass man erst sein halbes Leben sparen müsste, um sich so eine „Reise“ leisten zu können.

    Einen Teil meines früheren Lebens habe ich als Buchhalter gearbeitet und da liegt es nahe, auch im jetzigen Leben nicht so ganz von den Zahlen lassen zu können. Seit vier Jahren lebe ich nomadisch unterwegs in Europa und stelle jetzt einmal eine kleine Statistik zusammen über die monatlichen Kosten.

    Leider kann man das hier schlecht formatieren, da ich das sehr aufwendig bearbeitet habe. So habe ich euren Beitrag als Ansporn genutzt und einmal zusammengestellt, was ich so ausgebe.

    Da komme ich tatsächlich im Schnitt der letzten 20 Monate auf einen Betrag von: 824,85 EUR !

    Das ist für eine Person, allerdings mit Hund. ;-)

    Die Einzelposten habe ich hier einmal zusammengestellt:
    http://wagenblog.org/reise-budget-was-kostet-so-ein-leben-unterwegs/

    Ich hoffe, ihr habt nichts gegen den Link.

    Viele Grüße
    von Marco

    • Hallo Marco,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Generell ist es ja so, dass man meist zu zweit günstiger lebt als alleine. Für Europa hätten wir jetzt auch mit mehr gerechnet. Außerdem bist Du bestimmt auch mehr gefahren, als wir am Cape Maclear. Auf unserer Transafrika-Tour von Deutschland nach Südafrika, als wir noch keine Digitale Hanomaden, sondern Langzeitreisende waren haben wir im Durchschnitt 1000 Euro/Monat gebraucht (inklusive Diesel, Autoreparaturen, Visa und andere Einreisekosten). Da waren halt sehr günstige Länder wie Sudan, Äthiopien und Ägypten dabei sowie teurere Länder wie Namibia.

      Viele Grüße aus Sambia,
      Verena & Patrick

  10. Toll, danke! Das Thema beschäftigt mich ja auch: was kostet sowas. Wenn, dann würde ich mit meinem VW Bus losfahren, der nimmt etwa 10l und an Reparaturen eher wenig ( BJ 1969). Vollkasko wie Marco käme mir nicht in den Sinn, Auslandskrankenversicherung natürlich schon (wobei: ist das in Europa notwendig?) Ganz entscheiden ist natürlich, ob die Möglichkeit besteht, wild zu campen und ob man selbst kocht oder essen geht.

    Beste Grüße aus Brandenburg

    Kai

    • Hallo Kai,

      in Cape MacLear konnten wir ja auch nur so günstig leben, weil keinen Diesel gebraucht haben und die Unterkunft extrem günstig war. Sonst braucht der Hanomag im Durchschnitt 15l/100 km und auch wenig Reparaturen. Auslandskrankenversicherung brauchst Du in Europa nicht unbedingt, geht auch mit der Grünen Karten von der deutschen Versicherung. Aber wenn du eine Auslandskrankenversicherung hast und länger als 3 Monate aus Deutschland wegbist, kannst Du aus der deutschen Krankenversicherung raus. So sparst Du auch nochmal deutlich, denn wir haben für unsere Auslandskrankenversicherung nur 40 Euro pro Person gezahlt.

      Grüße aus Südafrika,
      Verena

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