Ein Alptraum wird Wirklichkeit: Schwerverletzt bei Raubüberfall

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Plötzlich ist die Welt kein freundlicher Ort mehr: Überall lauern Gefahren, Angst und Panik sind mein ständiger Begleiter. Starke Emotionen, wie ich sie zuvor in meinem ganzen Leben noch nicht gespürt habe.

Nur wenige Minuten, in denen der brutale Überfall auf mich passierte haben soviel Einfluss auf meine Zukunft. Wie soll es jetzt weitergehen?

Nach dem Überfall im Krankenhaus in Cape Maclear, Malawi

Es ist mir sehr schwer gefallen, diesen Artikel zu schreiben. Alles in mir hat sich gewehrt, denn immer wenn ich anfange, werden die Erinnerungen, die Emotionen wieder wach. Deswegen wollte ich ihn genau ein Jahr nach dem Überfall schreiben und habe auch damit angefangen, aber erst heute, einige Tage später beendet und veröffentlicht.

Heute ist der Überfall genau ein Jahr her. Ich habe letzte Nacht sehr schlecht geschlafen, die Gedanken kreisen. Ich liege im Hanomag, der ja auch der Tatort ist. Ich habe nun doch irgendwie ein starkes Bedürfnis es aufzuschreiben – ein Gefühl von: “Das muss jetzt raus.” Und vielleicht kann ich auch dazu beitragen, dass Du besser verstehst, was ich durchmachen musste und jetzt immer noch durchmache.

Denn oft kommt leider zu der Angst, die ständig anspringt wie ein nerviger Fehlalarm, auch noch das nagende Gefühl “Keiner versteht mich!” hinzu. So hat es jetzt zwölf Monate gedauert und eine Traumatherapie gebraucht, bis ich über den bewaffneten Überfall am Malawi-See schreiben kann.

Rückblick – Bewaffneter Raubüberfall am Cape Maclear

In der Nacht vom 7. auf den 8.Oktober 2014 auf dem Campingplatz des Fat Monkey’s: Patrick liegt schon im Bett. Ich hatte noch draußen am Laptop gearbeitet und räume den Laptop rein und gehe auf Toilette. Als ich wiederkomme, fällt mir noch was ein, was ich im Internet nachschauen will. Ich knie vor dem Laptop, der auf unserer Küchenablage steht, und surfe im Internet. Die Hanomagtür ist offen, weil es immer noch so unerträglich heiß ist. Ein leichter Vorhang schützt aber vor neugierigen Blicken.

Dann höre ich plötzlich Geräusche und schaue nach: Es laufen zwei Leute mit einer fetten Taschenlampe am Strand entlang. O.k. ich entspanne mich: “Das ist wer Offizielles,” denke ich. Ich surfe weiter. Dann höre ich zwar nichts, aber irgendwie sagt mit ein siebter Sinn: “Dreh Dich um und schau nach, was los ist!”

Ich mache den Vorhang auf und da stehen vier Männer direkt vor der Tür. Damit habe ich im Leben nicht gerechnet. Ich sehe nur blitzend weiße Augen und Zähne und sie halten etwas hocherhoben und drohend in der Hand – ein Baseballschläger oder vielleicht ein Knüppel? Leider falsch!

Noch bevor ich den Gedanken zu Ende gedacht habe, haut einer mit seiner Machete zu. Und dann? Keine Ahnung! Ich habe absolut keine Erinnerung. Die setzt erst später wieder ein. Ich stehe draußen vor dem Hanomag und sehe meinen blutenden Arm. Patrick steht neben mir. Wir beiden schreien wie in Trance um Hilfe, rufen nach den Besitzern der Fat Monkey’s Lodge.

Die kommen in Bademänteln angelaufen. Karen sagt zu ihrem Mann: “Geoff, hol sofort das Auto. Wir müssen sie ins Krankenhaus bringen!” Interessanterweise kommen die drei Wächter erst lange später. Haben Sie sich versteckt? Haben Sie einfach nichts mitgekriegt, weil Sie so tief geschlafen haben? Karen brüllt Sie an: “Warum habt Ihr nicht besser aufgepasst?” Antworten bekommen wir aber auch nicht.

Mango Tree, Fat Monkeys, Cape Maclear, Malawi

So idyllisch war es auf der Campsite der Fat Monkeys Lodge. WIr haben uns hier sicher gefühlt

Patrick füllt später meine Erinnerungslücke. Er ist von meinem markerschütternden Schrei aufgewacht, wie er ihn noch nie zuvor gehört hat. Ich weiß nicht mal, dass ich geschrien habe. Ich habe wohl auf Autopilot geschaltet. So wissen wir auch beide nicht, wann ich geschrien habe. Als ich die Männer gesehen habe? Als einer mit seiner Machete einschlug? Außerdem habe ich wohl gerufen: ”Die klauen den Laptop.” Da bin ich anscheinend gedanklich stehen geblieben.

Der Moment aber, der sich tief in mein Gedächtnis gebrannt hat, ist wie die vier Männer vor der Tür stehen und mich anstarren. Ich glaube, dass ich im ersten Augenblick gar nicht erwartet haben, dass sie mir wirklich etwas antun wollen. Ich dachte, dass sie halt drohen, um den Laptop zu bekommen. Aber schneller, als ich denken konnte, wurde ich ja schon brutal vom Gegenteil überzeugt.

Warum diese Gewalt? Das war doch nicht nötig, ich hätte ihnen den Laptop ja auch so gegeben.” Das ist eine Frage, die mich heute immer noch quält: Man liest ja auch überall immer Tipps, man soll sich bloß nicht wehren im Falle eines Überfalls, dann passiert einem nichts. Aber die Chance haben die Täter mir gar nicht gegeben.

Patrick — von meinem Schrei aus dem Tiefschlaf gerissen — hat nur gedacht: “Meinen Laptop klaut keiner!” Er realisiert gar nicht, dass die Männer mit Macheten bewaffnet sind und ich verletzt bin. Nur in Unterhose bekleidet springt er aus dem Bett. Da ist der eine Typ noch im Hanomag und dabei sich den Laptop zu grapschen. Das schafft er leider und rennt davon, während er Ladegerät und Maus hinter sich herschleift.

Als Patrick draußen ist, dreht sich einer Männer um und hält seine Machete drohend hoch, nur wenige Schritte von ihm entfernt. Da bleibt Patrick stehen. Später erfahren wir, dass die Leute mit der Taschenlampe, die ich wenige Minuten vor dem Überfall gehört habe, tatsächlich eine Polizeipatrouille war.

Panga - Machete

Pangas (Macheten) – in ganz Afrika ein alltägliches Werkzeug, zum Größenvergleich neben einem Feuerzeug

Das Schlimmste am Raubüberfall ist das Gefühl von Hilflosigkeit

Jeder Reisende hat Angst davor Opfer eines Raubüberfalls zu werden, hat Angst davor was ihm Schlimmes angetan werden könnte. Das ist für mich aber nicht das was mich fertig macht: Obwohl mir einer der vier Täter skrupellos und ohne Grund mit der Machete auf den Arm geschlagen hat, habe ich keinen Schmerz gespürt — dafür sorgt das Adrenalin im Körper.

Was eigentlich passiert ist, wurde mir erst später richtig klar. Als der tiefe Schnitt mitten in der Nacht in dem kleinen Krankenhaus vor Ort genäht werden musste. Erst dann habe ich Schmerzen gespürt. Aber das wirklich Schlimme war, als mir bewusst wurde, wie ausgeliefert ich den Tätern war – ein unerträgliches Gefühl von Hilflosigkeit.

Als wir später in den Hanomag gucken, sehen wir dort einen Backstein liegen, den die Täter wohl reingeworfen haben müssen. Diese Entdeckung wirft noch mehr Fragen auf. Ich saß erst mit dem Rücken zur Tür. Wollten sie mir damit über den Kopf schlagen? Oder ist es ein Erkennungszeichen? Denn wie wir später erfahren, wurde vor ein paar Tagen ein Haus in Cape Maclear überfallen und da lag genauso ein Backstein neben dem Bett. Außerdem hat jemand in Monkey Bay mit so einem Stein einen Wachmann erschlagen. Ich darf gar nicht darüber nachdenken, was alles hätte noch passieren können!
hanomagnachueberfall
Zu allem Überfluss, kommt auch noch die Angst dazu, ob ich je wieder meine rechte Hand richtig benutzen kann – und das als Rechtshänderin. Zunächst dachte ich, die Wunde wird genäht, nach 6 Tagen kommen die Fäden raus und wir können weiterreisen. Die Ärzte in Cape Maclear dachten, dass alle Nerven und Sehnen in Ordnung sind, weil ich alles spüre und auch mit den Fingern wackeln kann. Aber die Hiobsbotschaft kam noch….

Ich bin sehr froh, dass es das NGO-Krankenhaus in Cape Maclear gibt: Denn so werde ich von einer irischen Notfallärztin versorgt, die alle nötigen Utensilien hat — was auf dem Land in Malawi nicht selbstverständlich ist. Sehr wahrscheinlich hat sie so verhindert, dass sich die Wunde auch noch infiziert, denn mit Macheten wird alles geschnitten: Fleisch, Gras, Holz, usw. Und sie werden fast nie gesäubert — ein Paradies für Keime.

Als wir zurück im Fat Monkeys sind, bieten uns die Besitzer einen Bungalow an. Aber erstmal können wir vor lauter Adrenalin nicht schlafen. Ich bekomme von Karen zur Beruhigung eine Tasse Kakao. Später merke ich, dass es durch den dicken Verband durchblutet.

In der Nacht kommen wir gar nicht dazu, uns im Bungalow auszuruhen: Die Blutung stoppt einfach nicht, und wir müssen noch mehrmals ins Krankenhaus fahren. Um 8 Uhr am nächsten Morgen kommt schließlich die Chefärztin und schickt uns nach Blantyre: “Vermutlich hat sich ein Hämatom gebildet und dann muss die Wunde nochmal aufgemacht werden. Das können wir hier nicht.”

Geofft bringt uns mit seinem Auto ins 4 1/2 Stunden Fahrzeit entfernte Blantyre. Total übermüdet und fertig sitzen in der Notaufnahme des Adventist Hospitals. Als endlich der Arzt kommt, wirft er nur einen kurzen Blick drauf und ich werde zum Röntgen geschickt. Danach warten wir wieder, als plötzlich ein Herzinfarktpatient hereingeschoben wird.

Der Arzt kommt und schaut sich in Ruhe meine Röntgenaufnahmen an, also gehen wir davon aus, dass er nicht für diesen Patienten zuständig ist. Total geschockt sehen wir, wie er danach zu ihm geht. Da haben wir doch sehr an seiner Kompetenz gezweifelt. Bei uns wäre es nun wirklich nicht auf mehr Wartezeit angekommen. Hauptsache dem Mann wird geholfen.

Das Ergebnis meiner Untersuchung: “Die Knochen wurden nicht beschädigt. Und die Blutung hat ja jetzt auch gestoppt. Also können wir nach Hause gehen.” Wir fragen: ”Was ist mit dem Hämatom, was die Ärzte in Cape Maclear vermutet haben. Und warum kann ich zwei meiner Finger nicht strecken? Wir sind jetzt 4 1/2 Stunden gefahren. Können Sie uns garantieren, dass es kein Hämtom ist und alles mit den Fingern o.k. ist. Wir können also beruhigt nach Cape Maclear zurückfahren?” “Mmmhh, ich hol doch mal den Chirurg.”

genaeht

Werde ich meine rechte Hand je wieder normal nutzen können?

Der Chirurg, der aus Brasilien stammt, stellt sofort fest: “Sehr wahrscheinlich sind die Sehnen von zwei Fingern von der Machete durchtrennt worden. Deshalb können Sie sie nicht strecken.” Er hat aber auch ein gute Nachricht: In Blantyre gibt es eine Spezialistin im Beit Cure Hospital. Er trägt dem anderen Arzt auf, dort anzurufen, ob sie da ist. Weil sie auch sehr oft auf Konferenzen ist. Zum Glück ist Linda Chokotho da und ich kann gleich am nächsten Morgen zu ihr. Das Beit Cure Hospital hat nämlich keine Notaufnahme und ist ein privates Orthopädisches Krankenhaus.

Der Verdacht bestätigt sich. Dr. Chokotho will möglichst bald operieren, sobald wir alles mit der Auslandskrankenversicherung geklärt haben. Am nächsten Tag ist Freitag. Also entweder dann oder erst am Montag. Während ich Angst habe, dass meine Hand vielleicht nie wieder voll funktionsfähig wird, macht sich die Ärztin vor allem Sorgen, dass sich die Wunde infiziert: “Es sieht von außen nicht so aus, aber man weiß nie, was einen erwartet, wenn man die Wunde öffnet. Sollte eine Infektion bestehen, muss ich erst diese bekämpfen und kann die Sehnen noch nicht reparieren.”

Wir gehen in Krankenhaus-Café und gönnen uns einen Eiscafé und Kuchen. Dann telefoniert Patrick immer wieder mit unsere Auslandskrankenversicherung Hanse Merkur*, denn stationäre Krankenhausaufenthalte müssen erst genehmigt werden und die Kosten zahlt der Versicherer dann direkt an das Krankenhaus. Die Betreuung von der Krankenkasse war sehr gut, und wir wurden auch an eine Ärztin weitervermittelt, die auch mit uns über einem eventuellen Rücktransport nach Deutschland redete. (Die Hanse Merkur hat in den Bedingungen den medizinisch sinnvollen Rücktransport stehen, andere Auslandskrankenversicherungen nur den medizinisch notwendigen).

Gemeinsam kommen wir zu dem Entschluss, dass es eine schnelle Operation das Wichtigste ist. Vor allem, da es vor Ort ein ausgezeichnetes Krankenhaus und eine auf Handchirurgie spezialisierte Ärztin gibt.

Wir müssen für längere Zeit in Blantyre bleiben

Die OP – 3 ½ Stunden unter Vollnarkose – verlief gut, aber die Verletzung war sogar noch schlimmer als zunächst angenommen: Die Sehnen von zwei Fingern waren komplett durchtrennt, die anderen beiden Strecksehnen der anderen Finger zu 80% bzw. 90%. Außerdem war auch noch die Sehne, die das Handgelenk nach rechts und links bewegt durchtrennt. Aber keine Infektion! Also konnte die Ärztin alle Sehnen kitten. Irgendwie war es sogar gut, dass die beiden Sehnen ganz durch waren, denn sonst ist es sehr schwer so eine Verletzung zu diagnostizieren. Denn so erstaunlich das ist, haben die 10 und 20% gereicht um die Finger noch zu strecken.

Aber Weiterreisen geht erstmal nicht. Ich muss für mindestens zwei Monate einen Gips tragen und komme nicht alleine in den Hanomag rein. Da es aber eh keinen Campingplatz in Blantyre gibt, mussten wir uns ein Zimmer suchen. Hinzu kommt, dass mir Patrick bei den einfachsten Sachen helfen muss, denn ich habe nicht nur den rechten Arm im Gips, sondern auch noch Schmerzen. Einfach so und auch wenn ich nur leicht mit dem rechten Arm irgendwo gegenstoße. Ich bin also weiterhin total hilflos, nicht nur während dem Überfall sondern immer noch. Zudem muss ich immer wieder zur Kontrolluntersuchung und auch schon mit passiven Übungen anfangen, damit sich die Sehnen nicht verkürzen oder verwachsen. Später kommt noch mehrere Wochen Physiotherapie hinzu. Und ich mache auch fleißig selber die Übungen – alle vier Stunden.

Physiotherapie in Malawi

Erschwerend kommt hinzu, dass wir zur heftigsten Regenzeit  seit 30 Jahren in Malawi sind. Mehrere Dörfer und auch Stadtteile von Blantyre sind überschwemmt. Viele Menschen werden obdachlos. Außerdem gibt es mehrere Wochen kein Leitungswasser. Da wir im Gästehaus vom Beit Cure Krankenhaus wohnen, bekommen wir Wasser in Kanistern. Aber eine Eimerdusche mit Gipsarm ist wirklich ein Herausforderung…

Nachdem endlich die Bewegung der Hand große Fortschritte machte und ich keine Physiotherapie mehr brauchte, wollte ich einfach nicht mehr weiterreisen. Ich hatte einfach Angst. Zu belastend sind auch die Erinnerungen, die im Hanomag wiederkommen. In Blantyre bleiben will ich aber auch nicht. Ich will nur noch weg aus Afrika. Dann geht alles ganz fix: Stellplatz für den Hanomag gesucht und Flug nach Deuschland gebucht.

Und jetzt? Ein Jahr nach dem Überfall

Inzwischen bin ich wieder in Afrika, reise weiter in unserem geliebten Haus auf vier Rädern und verfasse diesen ungewöhnlichen Reisebericht mit atemberaubender Aussicht auf den South Luangwa Nationalpark. Wie ich mit der Angst und den Panikattacken nach dem Überfall umgehe und warum ich die Entscheidung getroffen habe weiter zu reisen, folgt bald in weiteren Blog-Artikeln.

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Über den Autor

hatte schon immer Fernweh. Als digitale Hanomadin hat sie das Reisen zu ihrem Lebensstil gemacht. Auf runterwegs.de teilt Sie mit Dir Reiseerfahrungen, Reisetipps und was ihr sonst noch in den Sinn kommt.

26 Kommentare

  1. Carsten van de Grove am

    Hallo,

    vielen Dank für diesen ehrlichen und erschütternden Bericht. Wir sind auch viel in Afrika unterwegs und können uns (ein ganz kleines bisschen) Deine Gefühlswelt vorstellen. Insbesondere der so absolute Wechsel vom Paradies zur Hölle ist wohl (leider) allgegenwärtig. Umso mehr freue ich mich, dass Du wieder den Mut gefunden hast zurück zu gehen und weiter zu reisen.
    Ich wünsche Dir, dass Afrika für Dich wieder zu dem Paradies wird, was es eigentlich ist.

    Viele Grüße aus Berlin
    Carsten

    • Lieber Carsten,

      das hast Du sehr schön gesagt. Am Afrikavirus bin ich auf jeden Fall unheilbar erkrankt :-) Und wir waren ja auch erstmal an einem unserer Lieblingsorte – dem South Luangwa Nationalpark. Es war trotz allem eine schwierige Entscheidung, ob wir weiterreisen sollen oder nicht. Aber ich bin froh, dass ich wieder hier bin. Aber es ist nicht mehr wie vor dem Überfall und wird auch nie wieder so werden. Ich gehe anders auf Menschen zu und bin leider nicht mehr so unbeschwert.

      Trotzdem kann ich wieder genießen und kann meine Träume und Ziele verfolgen. Ich lasse mich nicht unterkriegen.

      Viele Grüße,
      Verena

  2. Hallo Verena, ich bin soeben auf Deinen Artikel gestoßen, der mich sehr berührt hat. Schön, dass es Dir heute zumindest körperlich wieder besser geht! Mein großen Respekt dafür, dass Du Dich trotz dieser Erfahrung wieder auf Reisen begibst und langsam wieder Vertrauen aufbaust. Sicherlich gibt es Viele, die Tipps für einen Umgang mit dem Trauma geben, aber auch ich möchte mich einreihen, bei mir hat bei schlechten Gefühlen und Ängsten auch einfach anzuwendende Körperarbeit geholfen wie Japanisches Heilströmen und EFT (Emotional Freedom Techniques, Akupressur). Vielleicht eine Anregung. Alles Gute für Dich und Euch! Beste Grüße Veit

    • Hallo Veit,

      ja ich bin auch sehr froh, dass keine körperliche Schäden zurückgeblieben sind. Auch wenn sich meine rechte Hand noch nicht so kräftig ist wie früher. Aber ich bin zuversichtlich, dass das mit der Zeit noch wird.
      Ich glaube sogar, dass das Weiterreisen ein wichtiger Bestandteil ist auf dem Weg der Verarbeitung des Traumas. Von den Techniken, die Du erwähnst, habe ich noch nicht gehört. Aber ich werde Sie mir mal anschauen. In der Traumatherapie haben wir uns viel mit Achtsamkeit beschäftigt und den Bodyscan gemacht.

      Auch für Dich alles Gute!
      Verena

  3. Hallo Verena

    Ich bin per Zufall über Overland Sphere auf einen Artikel gestossen. Vielen Dank für Deinen ehrlichen Bericht. Tragisch was passiert ist und ich hoffe sehr, dass Deine Hand und alle Finger wieder voll funktionstüchtig sind. Deine Ausführungen haben mich berührt und zeigen einmal mehr, dass unser Leben sehr sehr kostbar ist.

    Mein Mann und ich reisen am liebsten im eigenen Fahrzeug. Afrika steht auch schon lange auf unserer Wunschliste und bis anhin haben wir es nur nach Namibia geschafft. Solche Geschichten wie Deine haben uns immer davon abgehalten, eine längere Afrika-Reise zu unternehmen. Ich muss ehrlich sagen, ich bewundere Dich sehr, dass Du trotz diesem schrecklichen Erlebnis wieder zurück in Afrika bist. Vermutlich ist es aber das Beste was man tun kann, um die traumatischen Erlebnisse zu beseitigen. Afrika ist ja ein wunderschönes Land und hat sehr viel Positives zu bieten.

    Ich wünsche Dir von Herzen, dass Dir Afrika in Zukunft nur noch schöne Erinnerungen bringt.

    Gute Reise und alles Gute.

    Viele Grüsse,
    Reni

    • Hallo Reni,

      Danke für Deinen Kommentar. Es bedeutet mir viel, wenn ich Menschen mit meinen Artikeln berühren kann.

      Du hast Recht, mir hat der Überfall auch gezeigt wie kostbar das Leben ist und wie schnell es vorbei sein kann. Wenn ich jetzt bin genügend Abstand zurückblicke, denke ich, dass ich genau richtig lebe und meine Träume JETZT verfolge und nicht auf später verschiebe. Denn später ist vielleicht zu spät.

      Uns ist in 5 Jahren durch Afrika reisen, einmal etwas Schlimmes passiert. Wir treffen viele Reisende, die jedes Jahr mehrere Monate oder Langzeit durch Afrika reisen, und keinem ist so etwas passiert. Sonst eher Einbruch in das Auto oder Taschendiebstahl.

      Ich möchte Dir trotz allem jedem Mut machen, eines oder mehrere Länder auf diesem faszinierenden Kontinent zu bereisen.

      Ich wünsche Dir tolle Reiseerfahrungen,
      Verena

  4. Liebe Verena

    Es freut uns sehr zu lesen, dass Du soweit über den Vorfall hinweg gekommen bist, dass Ihr wieder reisen könnt. Dass die Angst noch längere Zeit mitfahren wird, ist unserer Meinung nach normal. Mit der Zeit wird sie wahrscheinlich der Vorsicht weichen.
    Nachdem wir in Moçambique des Nachts überfallen wurden und den Tod vor Augen sahen, hatten wir längere Zeit keine ruhige Minute mehr. Weder am Tag, noch in der Nacht. Nach etwa einem Monat ging die Angst zurück, aber für den Rest unserer Afrikaquerung erwachte ich beim leisesten Geräusch und war sofort hellwach.
    So sehr wir den afrikanischen Kontinent lieben: wir benötigten lange Zeit, bis wir wieder so weit waren, zu sagen, wir würden gerne wieder starten.
    Wir wünschen Dir und Patrick von ganzem Herzen, dass Ihr von solch negativen Erlebnissen inskünftig verschont bleiben möget. Wir wünschen Euch beiden weiterhin viel Kraft und Zuversicht.

    Markus und Helen

    • Hallo Ihr beiden,

      ich auf Eurem Blog gelesen, was Euch in Mozambique passiert ist. Auch eine sehr bedrohliche Situation, aus der ihr zum Glück ohne Schaden entkommen konntet. In so einer Situation hätten wir mit unserem Hanomag auch ein Problem gehabt, da wir keinen Durchgang haben und nicht schnell losfahren können. Außerdem braucht er sehr lange zum starten.
      Auch Respekt für Euch, dass Ihr Eure Reise nicht unterbrochen habt sondern die Afrikadurchquerung tapfer weiterverfolgt habt. Aber nach allem was ich in der Traumatherapie erfahren habe, war das genau das Richtige. Angst nach einer traumatischen Erfahrung ist ganz normal, aber wenn man sie durchlebt und sich nicht von ihr einschränken lässt, klingt sie nach einer gewissen Zeit auch wieder ab. Aber wegen der Verletzung war es mir nicht möglich, meinen normalen Reisealltag weiterzuführen und hat wahrscheinlich auch dazu geführt, dass sich eine Postraumatische Belastungsstörung entwickelt hat.
      Das wir bei jedem leisen Geräusch aufwachen und es auch schwer fällt einzuschlafen, hatten wir nach dem Überfall auch, als wir im Gästehaus des Krankenhauses in Blantyre gewohnt haben.
      Vielen Dank für Eure guten Wünschen und alle Gute,
      Verena

  5. WOW! Einfach wow! Vielen Dank für deine offene Geschichte, daraus kann ich hoffentlich etwas lernen. Gerade weil man, wie du auch schreibst, immer wieder liest man solle sich nicht wehren und das war es dann.
    Es tut mir sehr leid, dass dir das passiert ist und ich hoffe, die Angst hat nachgelassen. Ich bin auf deine nächsten Artikel hierzu gespannt!

    Eine Frage: Was war mit dem Laptop? Hattet ihr Backups, Versicherung?

    Beste Grüße,
    Matt

    • Hallo Matt,
      was sicher ist, die Täter stehen auch unter Stress. Aber sie sind Immer besser vorbereitet als ihre Opfer. Ich denke auch sie haben in diesem Fall impulsiv reagiert. Wahrscheinlich, wenn ich die Möglichkeit hätte sie heute zu fragen, warum sie nicht gedroht haben sondern direkt mit der Machete zugeschlagen haben, wüssten sie keine Antwort. Ich weiß aber, dass ich keine bewusste Entscheidung getroffen habe, mich zu wehren oder nicht zu wehren. Das ist alles so schnell gegangen und automatisch passiert…

      Zu Deiner Frage: Wir hatten einige Backups, aber nicht alles. Was uns das Wichtigste ist : die Reisefotos haben wir auf Festplatten gesichert und zusätzlich eine Kopie in Deutschland gelagert, falls auch die Festplatten kaputtgehen oder geklaut werden. dann wären halt nur die neuesten Fotos weggewesen. Aber Patrick hat den neuesten Stand an einigen Webprojekten verloren und einige andere Dokumente.
      Mit dem Backup ist immer etwas schwierig: Ich möchte nicht alles bei Dropbox speichern und oft ist das Internet in Afrika nicht vorhanden, zu teuer oder zu langsam. Das Wichtigste ist dann auf Festplatten, aber die könnten ja auch geklaut werden. Sonst wichtige Dokumente, die man nicht ständig updaten muss, schicken wir uns selbst per E-Mail zu. (Z.B. zum Beispiel Pass mit Visum). Außerdem hat auch die DKB im Onlinekonto einen Dokumentensafe.
      Liebe Grüße,
      Verena

  6. Hallo! Es ist furchtbar, was Dir passiert ist. Vor allem, weil Du verletzt wurdest. Ich bin beruflich seit 20 Jahren in WEstafrika unterwegs und bin in der Zeit 2x überfallen worden, jedes Mal mit einer Knarre am Kopf. Mir ist zum Glück nie etwas passiert, so wie Dir! Aber es hat mich innerlich trotzdem total erschüttert, wie muss das erst bei einer Verletzung sein! Besonders nach dem ersten Mal – der Überfall fand in der Nacht statt und wir wurden alle völlig überrascht – habe ich wirklich Probleme mit den Leuten gehabt, jedem mißtraut usw. Ich bin nach beiden Malen in dem Land geblieben und habe an anderer Stelle weitergearbeitet, um nicht mit diesen Eindrücken nach Hause zu fahren. Das hat sich bei mir ganz sicher bewährt, jetzt ist es wieder fast wie früher. Ich bin seitdem generell vorsichtiger, z.B. mit Auskünften zu Unterkunft, Reiseroute etc und wache beim kleinsten unpassenden Geräusch auf. Aber das ist ja nicht schlecht. Dir wird es auch wieder besser gehen. Gut, dass Du wieder vor Ort bist.

    • Hallo Antje,

      vielen Dank für Deinen Kommentar und sorry für die späte Antwort. Wir sind in den letzten Wochen viel gefahren und waren 10 Tage im Nationalpark.
      Das was Du beschreibst kann ich sehr gut nachvollziehen – das Misstrauen, das Aufwachen beim kleinsten Geräusch. Was Du gemachst hast nach den Überfall, war genau das Richtige laut Traumatherapie. Am besten seinen Alltag wie vor dem Überfall weiterleben. Aber das ist sehr schwieirg und viele schaffen das nicht – die Angst ist einfach zu stark.
      Ich arbeite weiter daran viele positive Erfahrungen auf dem afrikanischen Kontinent zu sammeln und bisher klappt das super.
      Viele Grüße aus Südafrika,
      Verena

  7. Hallo liebe Verena!

    Wow! So viele verschiedene Emotionen, die bei dem Beitrag aufkommen.

    Allen Gefühlen voran, der riesen Respekt dir gegenüber. Sowas zu erleben und für sich zu verarbeiten ist schon schwer genug. Das dann mit uns zu teilen ist ganz groß!
    Ich bin auch viel durch Afrika gereist und gerade weil es so mit Vorurteilen behaftet ist und ich es trotzdem so liebe, habe ich immer das Gefühl, den Kontinent und die Menschen verteidigen zu müssen. Nach dem Motto: „Nein, ist gar nicht gefährlich!“, „Mir ist nie was passiert.“ usw.
    Hier die nackte Wahrheit zu lesen ist wie eine Realitätsklatsche. Es kann sehr gut sein, dass ich mit der Zeit auch leichtsinniger geworden bin. Ich hab mich wohl öfter in Situationen begeben, wo ein Afrika-Neuling sich an den Kopf fassen würde. Deine Geschichte bringt mich dann doch zum Nachdenken und regt zur Vorsicht an.
    Was mich total ankotzt, ist dass ihr keine der Vorsichtsmaßnahmen verletzt habt und einfach nur auf dem Campgelände wart. Wenn man sich nicht einmal dort sicher fühlen kann, verstehe ich absolut, dass du lange Zeit nicht zurück wolltest.

    Es tut mir sehr leid, dass du so etwas beschissenes erleben musstest und ich bin super beeindruckt, dass du so stark bist und jetzt schon wieder in eurem Hanomag sitzt. Ich wünsche dir sehr, dass du die schlimmen Erinnerungen hinter dir lassen kannst und deinen/euren Traum weiterleben kannst.

    Liebe Grüße und alles Gute weiterhin
    Mimi

    • Hallo Mimi,

      vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, so einen langen Kommentar zu verfassen. Ja, Realitätsklatsche ist ein gutes Wort dafür, so ging es mir auch. Als es passiert ist waren wir ja auch schon sehr lange in Afrika unterwegs und haben nichts Schlimmes erlebt außer zweimal einen Taschendiebstahl und einmal ist mir das Handy an einer roten Ampel aus dem Auto geklaut worden. Ich war immer schon vorsichtig, aber viele haben ja schon per se Angst nach Afrika zu reisen und haben unser gesamtes Projekt Transafrikareise für verrückt gehalten.

      Ich fühle mich trotz allem wieder einigermaßen wohl in Afrika und im Hanomag und wir treffen so viele tolle Menschen hier. Das gibt mir wieder mehr Vertrauen in die Menschen. Ich glaub zurückzugehen war das Beste was ich machen konnte.

      Viele Grüße aus Südafrika,
      Verena

  8. Hallo Verena,

    ein berührender Artikel. Ich bin echt sprachlos. Ich weiß auch nicht, ob ich nach so einem Erlebnis wieder auf Reise gegangen wäre. Hut ab!

    Viele Grüße
    Christian

  9. Hallo Christian,

    ich hätte vorher auch nicht gedacht, dass ich nach einem Überfall wieder nach Afrika zurückkehren würde. Aber man ist stärker als man glaubt, das zeigt sich erst in Extremsituationen.

    Viele Grüße,
    Verena

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  14. Liebe Verena,

    vielen Dank für diesen mutigen Bericht. Wenn auch verspätete sende ich Dir hiermit meine Genesungswünsche und viel Kraft für deinen zukünftigen Weg während und nach der Therapie.

    Ich selbst bereise seit 4 Jahren Länder in Ost-, Süd- und Westafrika. Bislang ist mir nichts passiert – im Gegenteil – die schönsten Eindrücke und sozialen Momente meines Lebens sind in Afrika verankert.

    Eines an deiner beeindruckenden Geschichte finde ich besonders interessant: das heute von vielen ostafrikanischen Ländern als absolute Oase der Reisesicherheit beschriebene Malawi – das warme Herz Afrikas – wird Schauplatz dieses Verbrechens. Man fragt sich also, ob die grobe Kategorisierung nach „(eher) sicheren Reiseländern“ (z.B. Malawi, Rwanda, Uganda, Sambia, Ghana, Gambia etc.) und „unsicheren Reiseländern“ (z.B. Nigeria, Kongo, Süd-Sudan etc.) überhaupt glaubwürdig ist. Meine Antwort: JA. Aber nun zum eigentlichen Inhalt meines Kommentars:

    Da Tatsache, dass das das deinem Fall stattgefundene Verbrechen (gefährliche Körperverletzung) überhaupt ereignet, ist tragisch und ein Ereignis mit traumatischen Folgen für jeden, der entsprechende Situationen erleben musste. Dass Du gerade in Malawi Opfer dieses Verbrechens geworden bist, einem sichersten Länder des riesigen Kontinents „Afrika“, lässt dieses Ereignis so schwer wirken und sollte zum Nachdenken anregen.
    Sicherlich bist du in während deiner Zeit Deutschland (noch) nicht Zeuge oder gar Opfer eines solchen Verbrechens geworden. Dass dies nun gerade in Afrika passiert, lässt besonders aus Sicht eines Betroffenen den nachvollziehbaren Schluss zu, dass Afrika auch die Ursache hierfür ist. Einige einfache Zahlen zeigen jedoch, dass eine Flucht nach Europa bzw. Deutschland nicht zwangsläufig zu höherer Sicherheit führt:

    NRW ist bzgl. der Größe seiner Bevölkerung mit dem kleinen Land Malawi vergleichbar. Das für deinen Fall relevante Verbrechen ereignet sich in NRW laut Kriminalstatistik 2014 des Landes ca. 30.133 mal pro Jahr (Quelle: http://www.polizei.nrw.de). Konkret bedeutet dies also, dass alleine in diesem Bundesland jeden Tag 97 Personen Opfer einer schweren oder gefährlichen Körperverletzung werden. Mord & Totschlag hingegen sind „nur täglich“, an 355 Tagen pro Jahr wird ein Mensch in NRW ermordet oder totgeschlagen. Aus deutscher Sicht ist die Tatsache, dass Dir das von Dir beschriebene Verbrechen widerfahren ist, also (leider) nicht verwunderlich.

    Entgegen dieser nüchternen Zahlen steht jedoch die psychische Dimension, die deine Geschichte zum „Horror“ aller Afrika-Reisenden macht und dich tragischer Weise bis heute beschäftigt. Besonders auf uns Deutsche hat Afrika einen besondere Wirkung: die offene und herzliche Mentalität, die rücksichtslose Lust am Leben und besonders die Begabung vieler Afrikaner, den Moment als solchen zu genießen und damit auch die nahe Zukunft mit all ihren Problemen, Risiken und Herausforderungen zu verdrängen, beeindruckt uns tief und reißt uns in schwachen Momenten mit sich. Der Kontakt zu diesen Menschen unter der schönen Sonne Afrikas lässt eine Tat wie das von Dir geschilderte Verbrechen in der jeweiligen Situation völlig absurd erscheinen und das natürliche und teilweise schützende Misstrauen auf ein Minimum absinken. Der Aufbau eines psychischen Schutzschildes, also eine latente „Vorahnung“ und die damit mögliche mentale Vorbereitung, bleibt in diesem Fall aus. Umso einschneidender ist dann das, was Dir widerfahren ist und umso mehr wird eine in den meisten Fällen unbegründete und auf Vorurteilen aufgebaute Urangst berührt, die sich viele Afrikareisende „abtrainiert“ haben: schwarze Männer vor dem eigenen Bett, bewaffnet mit Macheten und ohne die geringste Hemmung, diese auch ohne vermeintlichen Grund einzusetzen. Dass dies so unerwartet passiert – und auch noch im „warmen Herzen des Kontinents“ – führt weiterhin dazu, dass derartige Gewaltverbrechen psychisch verheerende Folgen zeigen.
    Um diesen schrecklichen Ereignissen und besonders deren Folgen vorzubeugen, hier meine Plädoyers:

    1. Vorsicht ist immer geboten – IMMER: in Afrika existieren Regionen mit geringerer Kriminalität als in Deutschland und Regionen mit höherer Kriminalität als in Deutschland. Dies bedeutet jedoch nicht, dass in Regionen mit niedrigerer Kriminalität kein Verbrechen existiert.

    2. Vieles ist unwahrscheinlich – nichts ist unmöglich: im von Dir als „sichersten Reiseland Afrikas“ beschrieben Namibia wurden während meines Aufenthaltes in 2013 zwei deutsche Touristen an einem Aussichtspunkt neben der Straße von Windhoek nach Swakopmund am helllichten Tag ermordet und ausgeraubt.

    3. Das Risiko ist beeinflussbar – jedoch nicht zu beseitigen: neben den mannigfaltigen und allgemein bekannten Regeln zur Reisesicherheit sollte beachtet werden, dass gerade die für uns interessanten Reiseziele in Afrika gleichzeitige auch Orte sind, die für Kriminelle interessant sind. Hierzu gehören die „Gates“ und Vororte der Nationalparks, aber auch die touristisch stark und seit langem frequentierten Orte wie Cape Maclear in Malawi. Wer jemanden überfallen möchte ist an maximalem Gewinn interessiert – und der ist bei Reisenden mit Campingfahrzeugen an Orten, die nur für Touristen ausgelegt sind, auf engem Raum sehr einfach zu lokalisieren.

    4. Afrikaner – speziell in subsaharatischen Ostafrika – sind höflich und harmonieorientiert: Gewalt unter Erwachsenen ereignet sich meist nach starker Überschreitung von Grenzen im sozialen Miteinander oder unter Einwirkung von Alkohol / Drogen, dann jedoch explosionsartig (1 Tag vor meiner Ankunft in Lilongwe / Malawi wurde ein vermeintlicher Dieb durch einen Mob auf dem Marktplatz mit Autoreifen gefesselt und verbrannt; typisch auch für Kenia und Tansania). Genauso schnell verebbt diese Gewalt auch wieder. Taten dieser Art gegen Touristen sind jedoch unwahrscheinlich.

    Afrika ist für mich seitjeher ein natürliches Abbild für all das, was unser Denken, Fühlen und Handeln ausmacht. Uns angeborene und damit uralte Emotionen wie Liebe, Hass, Freude, Angst oder Trauer sind in Afrika buchstäblich zum Greifen nahe und liegen dort – im Gegensatz zur nüchternen Gesellschaft Nordeuropas – nicht unter einer bleiernen sozialen Decke verborgen, die unser Seelenleben fortwährend in einen grauen Neutralbereich drängt.
    Afrika wird damit zu dem, was uns so fasziniert: menschlich.

    • Hallo Felix,
      vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar und für Deine Genesungswünsche.
      Übrigens bin ich nach dem Überfall nicht nach Europa geflohen weil es dort sicherer ist, das kam anscheinend bei Dir so an. Nach dem Überfall war bin ich ja noch mehrere Monate wegen der Operation und anschließender Physiotherapie in Malawi. Als es meiner Hand dann besser ging war es einfach ein situatives Gefühl, dass ich in diesem Moment weder weiterreisen wollte noch dort bleiben wollte wo ich war. Deswegen habe ich mich entschlossen temporär zuück nach Deutschland zu fliegen. dort hat sich dann herauskristallisiert, dass ich eine Traumatherapie benötige, in dessen Verlauf ich mich entschlossen haben meine Afrikareise fortzusetzen.

      Ja das stimmt, Malawi gilt als eines der sicheren Länder auf dem Kontinent, aber unser Eindruck und der vieler Einheimischer ist, das sich die Situation leider in den letzten Jahren verschlechtert hat. Dazu tragen natürlich auch Ereignisse bei wie die Flutkatastrophe 2014, bei der viele Menschen obdachlos geworden sind und die auch eine Hungersnot ausgelöst hat.

      Ich finde generell Aussagen über die Sicherheit eines Landes, geschweige denn eines ganzen Kontinents schwierig. Nur weil nie was passiert ist, heißt es nicht, dass einem dort nichts passieren kann und umgekehrt: Nur weil einmal etwas passiert ist, heißt es nicht, dass der Ort jetzt besonders gefährlich (manchmal ist vielleicht wirklich nur ein Einzelfall).

      Zu Deinen Plädoyers:
      1.)Stimmt vorsichtig muss man sein, aber insgesamt ist der Begriff immer etwas schwammig und schwierig zu sagen, was das jetzt konkret heißt. Als Fremder in einem Land ist die Situation auch per se für einen selbst schwieriger einzuschätzen als in der Heimat.
      2.) Ich weiß nicht wie Du darauf kommst, dass ich geschrieben hätte, dass Namibia, das sicherste Land Afrikas wäre – unsere Aussage war nur, dass es ein gutes Land ist für eine erste Reise nach Afrika als Selbstfahrer.
      3.) Ein Risiko , dass einem irgendwas passiert besteht über all auf der Welt. natürlich sollte man sich an einige Verhaltensregeln halten, wie etwa, dass man in vielen Ländern Afrikas (v.a. in Städten) nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr draußen rumlaufen sollte – ansonsten bin ich bei solchen Regeln zur Reisesicherheit etwas vorsichtig – denn der Umkehrschluss ist und ich lese und höre das auch oft: Wenn jemanden etwas passiert, muss derjenige wohl eine dieser Regeln verletzt haben und schon ist man dabei dem Opfer eine Mitschuld anzulasten. Natürlich besteht, wie du sagst, an beliebten touristisches Zielen ein erhöhtes Risiko. Aber was soll man machen, schließlich reisen die meisten eben um diese zu sehen in ein Land.
      4.) Ich halt nichts von Pauschalisierungen jeglicher Art. Sicher gibt es kulturelle Unterschiede, aber die sind meiner Meinung nach viel differenzierter zu betrachten.

      Herzliche Grüße und ich wünsche Dir viele weitere tolle Reiseerfahrungen auf dem afrikanischen Kontinent,
      Verena

    • Hallo Claudia,
      ja ich kann meine Hand inzwischen wieder sehr gut nutzen, es ist halt die Narbe zurückgeblieben. Viel schwerwiegender sind allerdings immer noch die seelischen Verletzungen, die solch eine Gewalttat verursacht, aber auch hier bin ich auf dem Wege der Besserung.

      Liebe Grüße,
      Verena

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