Safari im Kafue Nationalpark – Festgefahren im Black Soil

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Jetzt wo wir in fünf Jahren zum dritten Mal in Zambia waren, muss ich an eines der einschneidendsten Erlebnisse denken, das wir auf unserer Reise durch Afrika hatten.

Die Situation ist komplett ausweglos: Festgefahren im gefürchteten Black Soil – im entlegenen Sektor des riesigen Kafue Nationalpark, wo es nicht mal Ranger gibt. Und nur ein einziges Camp in der Nähe: Das McBrides Camp, das wir gerade als letzte Gäste verlassen hatten. Was nun?

Hanomag steckt im Black Soil im Kafue Nationalpark, Sambia

Aussteigen verboten! Aber was bleibt uns anderes übrig…

Hier im Kafue Nationalpark ist Aussteigen nicht erlaubt. Macht auch Sinn, schließlich gibt es hier viele Löwen. Telefonempfang gibt es aber nicht. Und wen sollen wir auch anrufen, selbst wenn wir ein Satellitentelefon hätten? Nur das McBrides Camp käme infrage, aber die haben auch kein Telefonempfang.

Also steigt Patrick aus. Ich gucke aus der Schießluke unseres Hanomags und versuche Raubtiere frühzeitig zu entdecken, so dass sich Patrick schnell ins Auto flüchten kann, hoffentlich. Aber was bleibt uns anderes übrig? Obwohl Patrick sofort aufgehört hat, aufs Gaspedal zu treten , sind wir sehr sehr tief eingesunken. Er nimmt sich eine Schaufel und versucht die Räder soweit freizulegen, um die Sandbleche nutzen zu können.

Dann stehen wir auch noch ausgerechnet im Tse Tse Fliegen Gebiet. Am Ende zählen wir 94 Stiche — nur auf dem Rücken. Jeder einzelne Stich tut sauweh und sie können die Schlafkrankheit übertragen.

Mücken repellent mit DET hilft übrigens nicht vor Tse Tse Fliegen Stichen. Chris McBride hat uns den Tipp gegeben das Dettol (Desinfektionsmittel) verdünnt mit Wasser (Verhältnis 50:50), das man alle halbe Stunde auf die Haut sprüht, hilft. Aber ob das jetzt so gesund für die Haut ist…
Dann haben wir doch noch Glück. Wir hören die nahende Rettung schon von Weitem: Ein Auto kommt. Es sind die Mitarbeiter vom McBrides Camp. Mit vereinten Kräften schaufeln alle und legen unsere Sandbleche und Holz unter die Räder. Die Prozedur dauert mehrere Stunden in der prallen Sonne. Dann kommt der spannende Moment: Schafft es der kleine Safari-Landcruiser unseren Hanomag aus dem Black Soil zu ziehen? Schaut Euch das Video an:

Mit einem Löwenforscher durch den Kafue Nationalpark

Auch wenn der Besuch des Kafue Nationalpark nicht so schön endete mit sintflutartigen Regenfällen und dem Steckenbleiben, waren es unvergessliche Tage.

Das erste Highlight folgte schon bald nach der Ankunft. Eigentlich wollte wir gleich am ersten Abend einen Night Drive mitmachen. Aber die Anfahrt dauerte lange mit unserem gemächlichem Allrad-LKW. Wir kamen zu spät, das Safari-Fahrzeug war schon weg. Als wir dann gerade dabei waren auf dem Campingplatz essen zu kochen, kam ein Mitarbeiter vorbei und fragte: “Wollt Ihr die Löwen sehen?” Wir verstanden nicht ganz, aber wir sagten einfach mal:”Ja, na klar.” Kurze Zeit später kam die Besitzerin des Camps uns abholen: ”Mein Mann hat auf dem Night Drive patrouillierende Löwen entdeckt und braucht sein Aufnahmegerät. Ihr könnt mitfahren.”

Es war eine der besten Löwensichtungen, die wir in unserer ganzen Zeit in Afrika hatten. Wir bekamen diese quasi auf dem Silbertablett serviert. Sonst haben wir Löwen zwar gesichtet, aber sie lagen immer faul rum. Diese zwei Männchen aber laufen ihr Gebiet ab, markieren Bäume und brüllen. Nebenbei erzählt uns Chris McBride viel über das Verhalten von Löwen. So bekommen wir doch noch unseren Night Drive.

Walking safari, Kafue Nationlpark, Sambia

Für den nächsten Tag haben wir gleich morgens eine Walking Safari gebucht. Die Tiersichtungen sind nicht so spektakulär, aber die Begeisterung von Chris für die Natur und jedes noch so kleine Tier ist einfach ansteckend. Es ist auch ein ganz anderes Erlebnis, wenn man zu Fuß durch den Nationalpark läuft, als wenn man im Auto sitzt. Du bist näher dran. Und dann treten wir auch noch fast auf einen Leoparden, der sich erst versteckt hält, sich aber umentscheidet und plötlich aufspringt. Ich sehe ihn noch aus dem Augenwinkel. Bevor ich jedoch überhaupt realisieren kann, das dass jetzt gerade ein Leopard war, ist er schon weg.

Abends machen wir noch einen Night Drive, diesmal mit Chris McBrides Frau. Leider finden wir nicht nochmal Löwen. Aber was mir noch viel mehr in Erinnerung geblieben ist: Als wir anhalten, den Motor ausmachen und einfach nur lauschen. Keine anderen Autos, kein Licht weit und breit – nur Tierstimmen. Das kann man nur in diesem entlegenen Teil des Kafue Nationalparks erleben.

Luxussafari rustikal

Am nächsten Tag geht es dann mit dem Boot in rund 3 Stunden zu einem sogenannten Fly-Camp. Das ganze Team des McBrides Camp fährt mit, so können wir entweder mitkommen oder müssen den Park verlassen. Sonst kostet so etwas mehrere hundert Euro pro Person, aber wir bekommen einen absoluten Sonderpreis, weil wir eben keine Option haben, auf dem Campingplatz zu bleiben.

Das Fly-Camp ist sehr entlegen und schwer erreichbar – eigentlich nur per Boot. Das Camp besteht nur aus kleinen Safarizelten mit Betten drin. Es ist alles sehr rustikal – auch die Sanitäranlagen: Dusche und Klo sind gemeinsam in einem steinernen Rondell ohne Dach und abschließbarer Tür untergebracht. Die Gäste zahlen hier für die Abgeschiedenheit und die Exklusivität und wenn man sonst nur in Luxushotels nächtigt, ist das ja auch ein Abenteuerurlaub.

Krokodil im Kafue

Abends machen wir noch eine Sunset Cruise: Wir fühlen uns wie Luxustouristen und es ist ja auch wie ein kleiner Urlaub vom Allrad-Reisen. Nach Sonnenuntergang werden wir dann mitten im Busch mit einem opulenten 3-Gänge-Menü verwöhnt. Wahnsinn wie der Chefkoch das mit den begrenzten Mitteln auf dem Feuer kocht. Ausklingen lassen wir den Abend mit den McBrides und dem einzigen anderen Gast am Lagerfeuer und lauschen den Rufen der wilden Tieren.

Nacht geht plötzlich und unerwartet die Regenzeit mit einem lauten Knall los. Es donnert, blitzt und der Regen prasselt mit einer Wucht auf das Zelt nieder, dass wir nicht schlafen können. Aber am nächsten Morgen kommt es für mich noch schlimmer. Ich habe Bauchkrämpfe, mir ist übel und muss alle 10 Minuten auf Klo rennen, wo es ja kein Dach gibt und alles nass geregnet ist. Es gibt ein klasse Frühstück wovon ich leider keinen Bissen runterkriege und nur einen Tee trinke.

McBrides Camp Kafue Nationalpark Sambia

McBrides Fly Camp mitten im Busch

Eigentlich wollten wir den Morgen um 6 Uhr mit einer Walking-Safari beginnen, aber es ist alles matschig und man würde jetzt eh nicht viele Tiere zu Gesicht bekommen. Außerdem hat es die McBrides in ihrem Zelt klitschnass geregnet, weil Sie den Regenschutz an den Fenstern nicht zugemacht haben. Also müssen wir mit dem Boot wieder zurückfahren. Davor graut es mir, denn an Bord gibt es kein Klo. Aber gewappnet mit Immodium halte ich es dann doch die 3 Stunden an Bord aus.

Ist schon witzig, wir essen seit Monaten immer wieder Fleischspieße und alles mögliche am Straßenrand und in lokalen Restaurants und ich hatte noch nie so Probleme mit dem Magen. Aber niemand anderem geht es so, also wahrscheinlich ist es nur Zufall und ich habe mir einfach so eine 1-Tages Magen-Darm-Grippe eingefangen.

Auf jeden Fall war unsere Zeit im Kafue Nationalpark einer der ereignisreichen Safaris die wir je gemacht haben.

Wenn Du selbst den Kafue Nationalpark und das McBrides Camp besuchen willst, gibt es im Ausklappmenü die wichtigsten Infos:
Kafue Nationalpark
  • Ist der größte Nationalpark Sambias
  • Liegt ca. 200 km westlich von Lusaka
  • Die Hauptstraße zwischen Lusaka Und Mongu unterteilt ihn in Nord- und Südsektor
  • Beste Reisezeit: in der Trockenzeit von Juni bis Oktober

 

Eintritt Kafue Nationalpark
  • pro Person: 20 US$
  • internationale Autos: 15 US$ / über 3 Tonnen 30 US$
  • Lokal registrierte Autos: 17 ZMW / über 3 Tonnen 28 ZMW
McBrides Camp

GPS: S14° 45′ 59.292″ E26° 9′ 24.721″ 

Das inhabergeführte Camp liegt im Nordsektor des Kafue Nationalparks – das Restaurant/Aufenthaltsraum bieten Ausblick auf den Kafue-Fluss mit seinen vielen Hippos.

  • Es gibt einen Campingplatz und große Safarizelte mit eigenem Bad
  • Walking Safaris, Pirschfahrten und Nachtfahrten sind hier im Vergleich zu anderen Lodges in Sambia sehr günstig
  • Im Camp gibt es keinen Telefonempfang
  • In der Trockenzeit brauchst Du nicht unbedingt Allrad, um zum Camp zu gelangen
  • Beste Reisezeit: Juni bis Oktober
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Über den Autor

hatte schon immer Fernweh. Als digitale Hanomadin hat sie das Reisen zu ihrem Lebensstil gemacht. Auf runterwegs.de teilt Sie mit Dir Reiseerfahrungen, Reisetipps und was ihr sonst noch in den Sinn kommt.

2 Kommentare

  1. Der gemeine 1-Tages-Magen-Darm Spaß! Durfte ich in Marokko auch eben meine Erfahrung mit machen. Niemand weiß woher, niemand anders hat Probleme, und plötzlich ist’s auch wieder gut!;)
    Weiter gute Reise und so tolle Safari-Erlebnisse!
    VIele Grüße aus Sidi Ifni, Axel

    • Wenigstens dauert der Magen-Darm-Virus nur 1 Tag. Und tatsächlich in 5 Jahren Afrika nur einmal gehabt. Euch auch noch eine tolle Zeit in Marokko und auf Eurer weiteren Reise.

      Liebe Grüße aus den Magaliesbergen,
      Verena & Patrick

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