Begegnungen im Omo Valley

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Der 15. März 2011 ist ein Dienstag und damit Markttag in Dimeka. Aber vorher müssen wir noch zahlen. Leider ist der Typ von gestern, der etwas englisch konnte, nicht mehr da. Und der Hotelbesitzerin können wir uns nicht verständlich machen, zumindest nicht, dass wir eine Rechnung wollen. Aber fix wird ein junger Hamer in modernen Klamotten hergeholt, der gut englisch spricht und Übersetzer spielt. Bei Rechnung heißt es auch „finished“, aber wir bestehen drauf und dann wird doch noch ein Rechnungsblock aufgetrieben. Wir fragen noch, wo der Markt ist und verabschieden uns.

Wir kurven eine Zeitlang durch den Ort, finden aber keinen Markt. Nach ein paar Mal fragen, geraten wir endlich an jemanden, der uns mitteilt, dass der Markt erst um 11 Uhr losgeht. Jetzt ist es erst 10 Uhr. Wir stellen uns an den Ortsrand und Pat will hier ein Stromkabel von einer vorderen Batterie nach hinten legen, damit wir zumindest Licht und Dusche haben. Es dauert nicht lang und wir haben viele Zuschauer vom Stamm der Hamer. Sie drehen das Spiel mal um, denn sonst werden sie immer von den Touris angestarrt. Jetzt gibt es mal was Spannendes für sie zu sehen. Glücklicherweise unser Übersetzter von vorher zufällig vorbei und setzt sich auch dazu. Denn er spricht neben amharisch und englisch, natürlich auch die Hamersprache. Ein kleines 1-jähriges Kind macht mit allen Späße. Nachdem es mich eine Zeit beobachtet hat, läuft es auch zu mit und sagt etwas in seiner Sprache. Es wird uns als „Hallo“ übersetzt. Ein älterer Junge hat eine weiße Kreidebemalung. Unser Übersetzer zeigt auf ihn sagt „Kreide“. Die Frauen stehen barbusig und mit Ziegenhautröcken bekleidet um uns herum. Zwischendurch kommen ein paar Frauen vorbei, die auf dem Weg zum Markt sind und uns ihren Schmuck anbieten. Sie sind keineswegs aufdringlich und akzeptieren unser „Nein, danke.“ Die Männer haben es gemütlich, denn alle haben ihre kleinen Hocker dabei. So einen hoffen wir auf dem Markt zu finden. Wir fragen unseren Übersetzter, ob wir so einen da kaufen können. „Natürlich“.

Als Pat das Stromkabel verlegt hat, ist inzwischen auch der Markt offen. Kaum haben wir den Markt betreten, kommt der Kreidejunge von eben auf uns, greift nach unseren Händen und stolziert mit uns Faranjis über den Markt. Es gibt überall die Hocker in allerlei Fromen und mit unterschiedlichen Verzierungen. So fällt die Auswahl schwer. Bald haben alle Verkäufer mitgekriegt, was wir wollen und umringen uns alle mit ihren Hockern. Sogar unser Übersetzter kommt nochmal und will uns plötzlich auch seinen Hocker verkaufen. Das hätte er vorher besser gekonnt – uns das auch noch ohne Konkurrenz. Inzwischen haben wir schon rausgefunden, dass der Preis 100 Birr beträgt. Pat und ich machen den Sitztest, denn wir wollen die Hocker auch wirklich nutzen. Pats Wahl fällt auf einen, der eigentlich 300 Birr kosten soll. Der Verkäufer ist schnell mit 100 Birr einverstanden, als Pat sagt: „Ok. Der Hocker ist zwar schön, aber ich nehm lieber den andern, der kostet nur 100 Birr.“ Ich finde auch eine bequemen Hocker, den eine traditionell gekleidete Hamerfrau verkauft. Leider habe vor lauter lauter vergessen gleich noch ein Foto mit auszuhandeln. Insgesamt haben wir uns so einen Markt aber voller und bunter vorgestellt. Es gibt nur sehr wenige Stände, die nur Touristensouvenirs verkaufen. Wildhonig gibt es nur in einem 5 Kilo Rieseneimer. Soviel können wir einfach nicht essen. Wahrscheinlich sind wir einfach zu früh dran.

Dann fahren wir weiter nach Turmi. Die Strecke ist schlechte Piste und matschig. Vor einem Riesenmatschfeld kommt uns ein Landcruiser entgegen. Wir lassen ihn erstmal fahren. Der Fahrer ist ein amerikanischer Missionar aus Turmi, kennt sich also auch. Wir fragen ihn wo wir Diesel in Turmi bekommen. Er schickt uns zur Buska Lodge. In Turmi angekommen, hält uns ein Typ an und sagt: „Euro Freunde mit Allrad warten da auf dem Camping-Platz auf Euch.“ Mmhh, sind das vielleicht Peter und Traudel? Sind uns aber unsicher. Fahren erstmal weiter zur Lodge. Die haben keinen Diesel, dass Essen ist sauteuer und fürs campen wollen sie 15 US-Dollar pro Person. Wir fahren weiter und wollen weiter nach Diesel suchen, denn richtige Tankstellen gibt es Turmi keine. Da kommen wir an noch einem Campingplatz vorbei und da steht tatsächlich das Auto von Peter und Traudel. Der Platz heißt Greenland Lodge und kostet 75 Birr Pro Person campen. Peter und Traudel sagen uns auch, wo wir Diesel auf dem Schwarzmarkt finden. Also gehen wir erstmal Diesel besorgen. Wir sollen uns einfach auf den Marktplatz stellen, dann wird uns ein Rastamann ansprechen. Wir stehen kaum ein paar Minuten, da kommt schon einer an und fragt, ob wir Sprit suchen. Er fährt vor, wir hinterher. Der Diesel kostet 22 Birr pro Liter. Bei Peter und Traudel war es heut morgen noch billiger. Wir versuchen zu verhandeln aber ohne Erfolg. Zum Glück brauchen wir nur 26 Liter, dann ist der Tank voll. Zusammen mit unseren 8 Ersatzkanistern sollte der Sprit so bis Isiolo reichen. Wir versuchen noch etwas Gemüse einzukaufen, aber die Auswahl ist sehr begrenzt. Auf dem Kurz vor dem Campingplatz hat sich auf der Piste plötzlich ein kleiner Fluss gebildet, kein Problem für den Hanomag. Wir nutzen nochmal die Gelegenheit unsere Wäsche zu waschen und laden Geräte auf. Das Bier im Restaurant ist mit 16 Birr auch etwas teuer, aber endlich gibt es wieder St. George, nachdem es in Jinka nur Bedele gab. Vergleichen mit Kenia ist das immer noch billig.

Über den Autor

hatte schon immer Fernweh. Als digitale Hanomadin hat sie das Reisen zu ihrem Lebensstil gemacht. Auf runterwegs.de teilt Sie mit Dir Reiseerfahrungen, Reisetipps und was ihr sonst noch in den Sinn kommt.

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