Dinner mit Truckern

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Am Montag, den 7. Februar fahren wir von Gedaref aus in Richtung Gallabat, dem letzten sudanesichen Ort vor Äthiopien. Das Thermometer zeigt 42 Grad Außentemperatur, im Auto schwitzen wir aber bei über 50 Grad. Es kommt keine Stadt oder größeres Dorf mehr, nur noch vereinzelte Hütten säumen die Steppenähnliche Landschaft.

Verschnaufpause für Fahrradfahrer Hans

In dieser unbarmherzigen Hitze kommt uns plötzlich ein Traveller auf dem Fahrrad entgegen. Hans aus der Schweiz reist seit Ewigkeiten durch Afrika und nimmt unser Angebot gern an, sich auf einem unserer Liegestühle auszuruhen. Hans hatte Pech in Äthiopien: Einige Steinwürfe von Kindern haben ihn hart erwischt. Eigentlich wollte er nach Dschibuti und dann weiter nach Indien. Nun hat auf dem schnellsten Weg das Land verlassen und macht nun einen „kleinen“ Umweg. Als wir ihn fragen, wie lang er schon unterwegs ist, staunen wir nicht schlecht:“ Seit 1986″, sagt er ohne mit der Wimpern zu zucken.

Nach einer gefühlt endlosen Fahrt erreichen wir am späten nachmittag Gallabat. Heute wollen wir nicht mehr über die Grenze, sondern lieber noch im Sudan übernachten. Aber wir wollen schon mal schauen, wo wir morgen früh hin müssen. Kaum im Ort, werden wir gleich von ehrgeizigen Führern „überfallen“, die uns unbedingt noch heute über die Grenze schicken wollen. „Drüben in Mettema könnt ihr viel besser übernachten.“  Obwohl wir seine Dienste nicht Anspruch nehmen wollen, zeigt der junge Mann auf das Gebäude, wo wir uns als erstes bei der Polizei abmelden sollen.

Wir verlassen den Ort und fahren ein Stückchen zurück, um hinter ein paar einheimischen Lastwagen an einer Tankstelle zu übernachten. Erstmal bekommen wir einen Vorgeschmack auf Äthiopien, denn ein Junge steht mit einem Kanister vor uns und sagt nur: „ You, You You , Yooouuuuuu!“, in immer lauter werdendem Tonfall. Ein Polizist kommt und scheucht ihn mit einem Stock weg. Guter Stellplatz – hier bleiben wir. Zudem funktioniert auch noch das Internet per Handy und so können wir noch ein bisschen per ICQ chatten. Das hat schon was Surreales, man sitzt quasi im Nirgendwo und chattet mit Deutschland.

Gastfreundschaft im Sudan: LKW-Fahrer laden uns zum Essen ein

Dann werden die LKW-Fahrer auf uns aufmerksam und schauen neugierig auf den Hanomag. Sie können gar nicht verstehen, dass Deutsche mit so einem alten Auto unterwegs sind und keinen Mercedes fahren. Sie freuen sich aber sehr, als Patrick sie in den Motor schauen lässt. Prompt werden wir von Ihnen zum Essen eingeladen.

So sitzen wir gemeinsam mit fünf LKW-Fahren und ihren fünf Helfern auf einer Matte unter freiem Himmel und tunken das Fladenbrot in eine gemeinsame Schüssel mit dem sehr leckeren Essen. Zum Abschluss gibt es natürlich Shai und wir machen ein Erinnerungsfoto. Da wir einen Drucker dabei haben, können wir jedem ein kleines Foto schenken. Daraufhin sind die zehn ganz aus dem Häuschen und bedanken sich überschwenglich.

Gastfreundschaft im Sudan

Grenzformalitäten bei der Ausreise aus dem Sudan

Am nächsten Tag laufen wir erstmal zu Fuß in die Stadt, um hoffentlich so den selbsternannten Führern zu entgehen. Die erkennen uns trotzdem – auch ohne Hanomag. Wir schütteln sie ab, indem wir sagen, wir wollen erstmal frühstücken. Hintenrum gelangen wir unbehelligt, zum Gebäude, wo wir als Tourist im Sudan abgemeldet werden. Hier fragen wir direkt nach, wo die nächste Station ist. Dazu müssen wir das Auto holen, denn es geht ans Carnet stempeln und schon sind die Führer wieder da. Aber wir wissen ja wo’s lang geht.

Erst sitzen wir in dem einen Büro und warten, dann werden wir zum Bezahlen geschickt. Wir müssen 30 SDG zahlen, aber wir haben nicht mehr genug. So geben wir ihm die restlichen 8 SDG und 10 Dollar. Wieder zurück ins erste Büro und Stempel abholen. Danach müssen wir noch im Gebäude mit den großen Flaggen davor unseren Pass stempeln lassen. Das kostet nichts und ist schnell erledigt, nachdem wir mal wieder ein Formular ausfüllen mussten. Am Auto warten schon die Führer auf uns, die Geld wollen für ihre nicht erfolgten Dienste. Wir zahlen nicht und fahren schnell über die Grenze nach Äthiopien.

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Über den Autor

hatte schon immer Fernweh. Als digitale Hanomadin hat sie das Reisen zu ihrem Lebensstil gemacht. Auf runterwegs.de teilt Sie mit Dir Reiseerfahrungen, Reisetipps und was ihr sonst noch in den Sinn kommt.

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