Eine wie keine in Afrika – Kigali

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Nach längerer Suche finden wir am 9. Juni 2011 zum Hotel Chez Lando, wo andere Reisende schon umsonst campen durften. Wir aber werden unfreundlich abgewiesen: campen geht gar nicht, auch nicht gegen Bezahlung.

Die nächste Adresse ist der One Love Club. Mit viel durch die Stadt kurven und nach dem Weg fragen finden wir schließlich hin, als es gerade dunkel wird. Es ist sogar günstiger als gedacht: Im Lonely Planet steht 10 $ pro Person, tatsächlich sind es 5000 RF (ca. 6 €) pro Person. Sonst war bisher alles teurer, als im Lonely Planet angegeben. Wir dürfen nicht über die Brücke fahren in den inneren Bereich des Geländes, weil wir zu schwer sind. Deswegen stehen wir zwischen orthopädischer Werkstatt und Baustelle. Wir lernen ein britisches Ehepaar kennen, die vom Süden zurück nach England wollen in einem Landrover, der noch älter ist als der Hanomag. Allerdings wurde dieser komplett neu aufgebaut. Wir verquatschen uns den ganzen Abend und tauschen viele Tipps aus.

Am nächsten Morgen laufen wir in die Stadt. Wir sind bestimmt eine Stunde unterwegs. In der Innenstadt angekommen trauen wir unseren Augen nicht: Flo und Stephan, die Volontäre, die wiraus Gisenyi kennen, laufen uns über den Weg. Sie können uns gleich noch mal erklären, wie man zu dem deutschen Metzger „La Galette“ kommt, von dem uns schon so viele vorgeschwärmt haben. Der liegt ziemlich versteckt in einer Seitenstraße, dort gibt es Café, Bäcker, Supermarkt und natürlich die eigentliche Metzgerei. Etwas weniger Auswahl gibt es bei der Filiale im Nakumat. Wir kaufen Hackfleisch, Baguette, Rosinenbrötchen und Brötchen.  Auf dem Rückweg treffen wir auch noch einen Kellner aus dem Tam Tam. Dann gönnen wir uns noch einen ruandischen Kaffee bei Bourbon Coffee gegenüber von Nakumat. Es gibt viele verschiedene Sorten zur Auswahl, wir probieren zwei Sorten, die unterschiedlich nach Schokolade schmecken. Wir denken wir bekommen eine Tasse, stattdessen bekommen wir eine ganze Kanne, die für zwei große Tassen reicht, und das für 1200 RF (1,40€).  Wir laufen zurück zum Camping und sehen Antony, den wir auch aus Gisenyi kennen, winkend an uns vorbei fahren.  In der Bar des One Love Club spielt eine Reggae-Live Band, so haben wir beim Essen musikalische Unterhaltung. Danach gehen wir noch ein Bier trinken und die Preise sind hier gesalzen im Gegensatz zu Gisenyi. Aber ist halt sie Hauptstadt. Außerdem kommt beim One Love Club alles einem guten Zweck zu Gute: die von einem Japaner gegründete Organisation hilft körperlich Behinderten.

Genozid Memorial in Kigali

Eines der Massengräber auf dem Gelände des Genozide Memorial in Kigali

Am nächsten Tag schauen wir uns das Kigali Memorial Center an. Wieder kurven wir ewig durch die Stadt, bis wir es endlich finden. Hier wird versucht darzustellen wie es zu dem Genozid kommen konnte und die Chronologie nachgezeichnet. Außerdem wird der Genozid in Ruanda zu anderen Genoziden in Kontext gesetzt. Wie zum Beispiel an den Herero in Namibia. Die letzte Etage ist den Kindern gewidmet, die beim Genozid ums Leben kamen. Es sind große Fotos der Kinder mit einem Steckbrief ausgehängt mit Hobby, Alter und Todesart. Wie kann man so unmenschlich seit und ein 9 Monate altes Kind mit der Machete töten. Nach der Ausstellung kann man immer noch nicht verstehen, wie es sein kann, dass es dazu kann, aber vor allem durch die Augenzeugenberichte und Videos hat man noch plastischer vor Augen wie schrecklich der Genozid war. Bilder wie, dass die Straßen gepflastert sind von Leichen. Berichte von Überlebenden, die sich tagelang in einem Leichenberg totgestellt haben, um nicht entdeckt zu werden. Beeindruckend ist aber auch, dass sich Menschen selbstlos für die Rettung anderer eingesetzt haben. Der Hutu, der sich ein Versteck schuf, weil er dachte die Tutsi-Rebellenarmee würde einmarschieren und die Hutus töten. Als er realisierte, dass es andersrum war, gewährte er Tutsis Unterschlupf. Er hatte ein Versteck unter einem Kartoffelbeet. Oder die Heilerin, die allen so unheimlich war, dass auch die Interhamwe ihrer Hütte fernblieb, wo sie viele Tutsis aufnahm.

Wir gehen noch mal zum deutschen Metzger und decken uns mit Brot, Leberwurst und Salami ein. Auf dem Weg zurück zum One Love Club entdecken wir bei einer BBQ-Bar, die sich „Car Wash“ nennt und tatsächlich auch einen Car Wash anbietet, ein Schild mit Camping. Wir fragen an der Bar, was kostet. „Nichts, wenn ihr was esst.“ Wunderbar, im Endeffekt zahlen wir nur ein wenig mehr als beim One Love Club, haben aber jeder 2 große Bier und für uns die besten Brochette bisher mit Pommes  dafür bekommen. Nur die Hamburger können wir nicht empfehlen, denn es war eher Salat mit kalten Mini-Fleischstückchen auf einem Hamburgerbrötchen. Der Service war aber klasse: als wir reklamierten konnten wir anstandslos Ersatz bestellen. Generell unterscheidet sich Kigali sehr von anderen afrikanischen Großstädten, Es ist kleiner und übersichtlicher und sehr sauber. Wir sahen nicht viele zerlumpte Menschen und Bettler. Und es hat ein richtiges Zentrum, wo alle shoppen. Wir entscheiden uns nicht mehr nach Butare und zum Nyungwe Park zu fahren, weil wir die gesamte Strecken doppelt fahren müssen und das nur um einen Park und ein Museum anzugucken. Also fahren wir früh los Richtung Tansania. Eine gute schlaglochfreie Straße führt zur Grenze bei den Rusumu Falls. Die Grenzformalitäten sind sehr schnell erledigt und ein Foto vom Wasserfall dürfen wir auch machen.

Über den Autor

hatte schon immer Fernweh. Als digitale Hanomadin hat sie das Reisen zu ihrem Lebensstil gemacht. Auf runterwegs.de teilt Sie mit Dir Reiseerfahrungen, Reisetipps und was ihr sonst noch in den Sinn kommt.

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