Familie Zapp – mit 4 Kindern im 86-jährigen Oldtimer um die Welt

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Was haben Deine Freunde und Familie zu Eurer Reise gesagt?

Beim ersten Mal, haben sie nicht geglaubt, dass wir das wirklich machen würden bis wir tatsächlich losgereist sind. Am Anfang haben sich auch angenommen, dass ich Hermans Traum folgen würde. Ihnen war nicht klar, dass es auch mein Traum war, bis sie sahen wie glücklich wir waren. Später haben wir unser Buch veröffentlicht und sie haben es gelesen. Jetzt unterstützen sie uns emotional.

Ich habe auf Eurer Webseite gelesen, dass ihr vor allem in Privathäusern übernachten. Wie trefft ihr die Leute?

Zum Beispiel beim Einkaufen sehen die Leute unser Auto mit den Aufklebern. Dann kommen sie näher und fragen, was mir machen und wo wir heute Abend übernachten. Ich glaube, warum wir in den Privathäusern aufgenommen werden ist, weil wir nicht genug Geld haben, um die Reise zu beenden. Jeder fragt uns: „Wie könnt ihr Euch die Reise leisten?“ Wir antworten, dass wir unser Buch verkaufen und durch jede Menge Hilfe von Menschen. Sie sehen, dass wir keine Sponsoren haben und dann leuchten ihre Augen und sie fragen: „Warum kommt ihr nicht zu uns?“ Sie sehen in uns einen von ihnen,, deshalb laden sie uns ein. Außerdem fragen wie auch bei Farmen, ob wir dort campen dürfen. Und dann ist es eben wie Kettenreaktion: Viele Leute erzählen uns: „Oh, ich habe da einen Freund, der lebt in dieser Stadt, warum besucht ihr ihn nicht?“

„Wir haben uns das Auto nicht ausgesucht, es hat uns ausgesucht.“

Wir dachten unser Hanomag ist alt, aber Euer Auto ist ja nochmal 40 Jahre älter. Warum habt Ihr Euch für Euren Graham-Paige entschieden?

Wir haben uns das Auto nicht ausgesucht, es hat uns ausgesucht. Eigentlich wollten wir die Reise als Backpacker machen. Dann hat ein Mechaniker Herman das Auto angeboten. Erst hat er abgelehnt, aber der Typ hat nicht locker gelassen: „Schau es Dir wenigstens mal an, vielleicht kennst Du ja jemand anders, der es kaufen möchte.“Herman war überzeugt und hat sich sofort in das Auto verliebt. Aber ich hatte Zweifel: „Nun müssen wir es reparieren, um mit diesem Auto reisen können. Wir werden unseren Traum schon wieder verschieben.“ Außerdem befürchtete ich, dass wir während der Reise ständig Werkstätten aufsuchen müssten. In der Tat war es eine fantastische Idee, mit diesem Auto zu reisen. Es hat eine sehr simple Technik und keinerlei Elektronik wie zum Beispiel Klimaanlage oder Autoradio. Wenn also etwas kaputtgeht, ist es einfach zu reparieren.

Hanomag trifft Graham Paige der Familie Zapp

Wie lange hat es gedauert, nachdem Ihr das Auto gekauft habt, bis Ihr reisefertig ward?

Wir haben ein bestimmtes Datum für die Abreise festgelegt, weil wir festgestellt hatten, dass wir die Umsetzung unseres Traums immer wieder verschoben haben. Das ist auch ein Rat, den ich weitergeben möchte: Mach einen Termin. Sag zu Dir selbst:“ An diesem Tag werde ich abreisen, ob ich bereit bin oder nicht.“ Sonst wirst Du es niemals machen. Jeder fragt uns, was der schwierigste Moment der Reise war. Es war nicht, als wir die Kinder während der Reise bekommen haben oder der Zeitpunkt, an dem unsere Ersparnisse aufgebraucht waren und auch nicht der Bau eines Floßes, um den Amazon entlang zu fahren. Nein, der schwierigste Moment unserer Reise war der erste Tag – alles zurückzulassen und mit unseren Ängsten in die Ungewissheit zu fahren. Wir hatten ein Datum festgelegt und an diesem Tag sind wir abgereist.

Gab es denn auf der Reise mal ein wirklich großes Problem mit dem Auto, das nicht so einfach zu reparieren war?

Tatsächlich war das jetzt gerade erst – 14 Jahre nachdem wir unsere Reise angefangen haben. Zum ersten Mal hatten wir ein großes Problem mit dem Motor, aber auch das konnten wir dank der Hilfe von jemand lösen, der einige Oldtimer besitzt. Wir mussten den gesamten Motor ausbauen und die Reparatur hat zwei Monate gedauert. Sonst hatten wir mal kleinere Probleme mit den Holzfelgen oder der Hinterachse. Allerdings mussten wir schon am ersten Tag nach 45 km wegen einer Holzfelge in die Werkstatt.

Beschränkt Euch das Auto in irgendeiner Weise – versucht Ihr zum Beispiel möglichst auf Asphaltstraßen zu fahren?

Nein, wir sind schon auf vielen Strecken gefahren, die eigentlich nur für Allradfahrzeuge geeignet sind – sogar durch Tiefsand. Wir haben einfach viel Luft abgelassen. Falls wir steckenbleiben, schieben wir Äste oder anderes Material unter die Räder

Und wie sieht’s mit Schlamm aus?

In Simbabwe sind wir auf dem Weg nach Mosambique richtig übel im Schlamm steckengeblieben, als wir einen Platz zum Buschcampen gesucht haben. Sofort kamen viele Leute, um uns zu helfen. Sie haben versucht das Auto aus dem Schlamm zu schieben und haben Äste für die Räder abgeschnitten – ohne Erfolg. Da es bereits ziemlich spät war, haben wir beschlossen, ins Bett zu gehen. Die Leute haben versprochen am nächsten Tag mit Ochsen wiederzukommen und das haben sie tatsächlich gemacht. So haben wir am nächsten Morgen gegraben, Äste abgeschnitten, die beiden Ochsen vors Auto gespannt, jeder hat geschoben und so haben sie uns schließlich rausgezogen. Doch dann sind wir gleich wieder steckengeblieben, also alles nochmal von vorne. Es war total lustig und schön – ganz wie in alten Zeiten. Gut, dass wir uns festgefahren haben.

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Über den Autor

hatte schon immer Fernweh. Als digitale Hanomadin hat sie das Reisen zu ihrem Lebensstil gemacht. Auf runterwegs.de teilt Sie mit Dir Reiseerfahrungen, Reisetipps und was ihr sonst noch in den Sinn kommt.

8 Kommentare

  1. Pingback: Interview: Eine Südkoreanerin reist seit 4 Jahren alleine um die Welt

  2. Hallo,
    finde das große Klasse , seinen TRAUM zu leben …….:-)),es einfach TUN!!!!!
    Wir haben Familie Zapp in Namibia Sept.2013 kennengelernt ,
    sie haben uns bei einer Autopanne geholfen.
    Wir waren von ihrer unkomplizierten und freundlichen Hilfe überwältigt und hoffen
    auf ein Wiedersehen in Deutschland ……, ?????
    Wir wünschen euch immer genügend Sprit im Tank und volle Wasserkanister…
    alles Gute aus Bayern :-)

  3. Wahnsinn! Finde ich einfach nur super was die Zapps machen. Ich muss gleich mal alles aufsaugen, was es von denen zu lesen gibt.
    Ich habe vor solch einer ultimativen Tour leider zu viel Schiss :-)

  4. Also man kann es kaum glauben mit vier Kids so um die Welt zu kommen ist schon echt irre. Ich denke ich fange auch zum Malen an, mal schaun was meine Frau dazu meint :-)

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