Familie Zapp – mit 4 Kindern im 86-jährigen Oldtimer um die Welt

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Als Ihr losgereist seid, ward Ihr nur zu zweit, jetzt habt Ihr vier Kinder. Wie habt Ihr alle in so einem kleinen Auto untergebracht?

Jedes Mal, wenn wir ein Kind bekommen haben, mussten wir alles neu organisieren. Zum Beispiel mussten wir Platz schaffen, indem wir Sachen verschenkt haben, die wir nicht mehr brauchten. Denn Babys kommen mit allem drum und dran – mit Autositz, Windeln, Kleidung und Spielzeug. Aber es war ein guter Tausch, weil dieses neue Leben, das wir empfangen durften, uns mit so viel Glück erfüllt. Außerdem haben wir das Auto um 40 cm verlängert. Auf diese Weise konnten wir mehr Kinder bekommen, denn es passte eine zweite Sitzreihe hinten rein – und wir wollten unbedingt mehr Kinder haben. Nicht wir müssen uns an die Reise anpassen und keine Kinder bekommen, sondern die Reise und das Auto müssen sich an unsere Familie anpassen.

Werdet Ihr kritisiert, weil Ihr so lange mit Kindern reist?

Wir treffen normalerweise auf Menschen, die ähnlich denken wie wir, weil sie näherkommen und uns einladen. Selbstverständlich wissen wir, dass viele Leute anders denken. Aber wir folgen nur unseren Herzen. Mann kann es nicht jedem Recht machen. Letztendlich macht man so viele Menschen glücklich: Denn man beweist, dass es einen anderen Weg gibt, sein Leben zu führen. Ich will nicht behaupten, dass es der einzig wahre Weg ist. Was ich damit sagen möchte ist, dass es eine andere Art gibt zu lernen, zu lieben und zu reisen.

„Einmal habe ich eine Geografiestunde auf einem Felsen am Mount Everest gemacht.“

Wie organisiert Ihr die Ausbildung Eurer Kinder?

Auch die Schule muss sich an die Reise und unsere Familie anpassen. Zum Beispiel wird am Strand der Sand zu meiner Tafel. Ich nutze oft die Reise selbst, um meine Kindern zu unterrichten. Einmal habe ich eine Geografiestunde auf einem Felsen am Mount Everest gemacht und meinen Kindern erzählt, welches der höchste Berg der Welt ist – direkt vor Ort. Ich erinnere mich, wie uns ein Tibeter in seiner traditionellen Kleidung dabei zugeschaut hat. Besser geht’s nicht! Obwohl ich sehr zielstrebig und fokussiert bin, ist es für mich dennoch schwierig, den Unterricht zu geben. Alle zwei Monate müssen sie einen Test schreiben. Aber es ist schwer eine Routine zu finden, wenn man keine Routine hat. Ich versuche die Lektionen immer morgens zu machen, aber oft muss ich dann packen, weil an einen neuen Ort fahren. Und es gibt sehr viel zu packen, wenn man eine sechsköpfige Familie ist. Früher habe ich immer alles selbst gemacht. Jetzt sind wir wie ein Team – jeder hat seine Aufgaben auf der Reise. Wenn wir unseren Traum weiterleben wollen, müssen wir alle an einem Strang ziehen. Außerdem ist es für meine Kinder eine weitere wertvolle Lektion und durch die Verantwortung haben sie Charakter und Persönlichkeit entwickelt.

Die Zapps auf dem Mount Everest

Deine Kinder sind alle unterschiedlich alt – wie gehst Du damit um beim Unterricht?

Bald wird es kompliziert. Vorher hatte ich nur zwei schulpflichtige Kinder, aber nun kommt Paloma in die erste, Tehue in die vierte und Pampa in die sechste Klasse. Pampa, mein ältester Sohn, ist sehr verantwortungsvoll, deshalb kann ich ihm eine Aufgabe geben und mich dann um die andern kümmern. Da ich aber nun auch Paloma – das Mädchen – unterrichten muss, werde ich mich schwer tun. Aber ich muss die Situation meistern und ich werde es schaffen.

Ich kann mir vorstellen, dass es nicht einfach ist ein Kind, das im Alter für die weiterführende Schule ist, zu unterrichten. Man kann sich ja nicht allen Fächern gut auskennen.

Wir nutzen das Internet, um für Pampa zu recherchieren und im System stehen mir Lehrer zu Seite, die mir das Unterrichten beibringen. Sie senden mir Aufgaben zu und wenn ich ein Problem habe, kann ich ihnen jederzeit Fragen stellen.

Was ist das für ein System – ein Online Service?

Ja das System beinhaltet auch Online-Lektionen. Die Kinder lernen unheimlich viel in diesen Lektionen. Beispielsweise bei einer Aktivität zum Thema Recyling müssen sie die Leute in dem Land, wo sie gerade sind, fragen, ob und wie sie recyclen. Danach müssen die Fragen online beantworten und können auch die Antworten der anderen Kinder anschauen. So erfahren Sie auch etwas über das Recycling in anderen Ländern wie zum Beispiel in Dubai. Im System gibt es Klassen mit Kindern im gleichen Alter, die aber in verschiedenen Ländern lernen. Deshalb lernen die Kinder ganz viele voneinander.

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Über den Autor

hatte schon immer Fernweh. Als digitale Hanomadin hat sie das Reisen zu ihrem Lebensstil gemacht. Auf runterwegs.de teilt Sie mit Dir Reiseerfahrungen, Reisetipps und was ihr sonst noch in den Sinn kommt.

8 Kommentare

  1. Pingback: Interview: Eine Südkoreanerin reist seit 4 Jahren alleine um die Welt

  2. Hallo,
    finde das große Klasse , seinen TRAUM zu leben …….:-)),es einfach TUN!!!!!
    Wir haben Familie Zapp in Namibia Sept.2013 kennengelernt ,
    sie haben uns bei einer Autopanne geholfen.
    Wir waren von ihrer unkomplizierten und freundlichen Hilfe überwältigt und hoffen
    auf ein Wiedersehen in Deutschland ……, ?????
    Wir wünschen euch immer genügend Sprit im Tank und volle Wasserkanister…
    alles Gute aus Bayern :-)

  3. Wahnsinn! Finde ich einfach nur super was die Zapps machen. Ich muss gleich mal alles aufsaugen, was es von denen zu lesen gibt.
    Ich habe vor solch einer ultimativen Tour leider zu viel Schiss :-)

  4. Also man kann es kaum glauben mit vier Kids so um die Welt zu kommen ist schon echt irre. Ich denke ich fange auch zum Malen an, mal schaun was meine Frau dazu meint :-)

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