Im malawischen Behördendschungel

0

Als wir ins Immigration Büro kommen, erweckt das erstmal den Eindruck, als wären wir in der Pause in eine Schulklasse gekommen. Nur das hier nicht viele halbwüchsige Schulkinder da sind, sondern erwachsene Beamte. Alle lümmeln auf ihren Bürostühlen herum, eine hört laut mit ihrem Handy Musik. Der Beamte, der für uns zuständig ist, hört mit Ohrenstöpseln Musik. Auch während er sich mit uns unterhält.

Wir sind hierher gekommen, um ein Temporary Permit Resident zu beantragen, womit wir noch bis zu sechs Monaten länger im Land bleiben können. Drei Monate sind wir schon da – mit einem normalen Touristen Visum, das wir einmal um zwei Monate verlängert haben. Etwas lustlos fragt der Beamte, warum wir noch länger in Malawi bleiben wollen. (Wenn man etwas mit Investment erwähnt ist immer gut, wurde uns geraten.) Also sagen wir das wir in Malawi nach Partnern suchen, weil wir hier Touren anbieten möchten. Wir bekommen ein paar Formulare zum Ausfüllen und unser schon vorbereitetes Anschreiben sollen wir in größerer Schrift anfertigen – wir hatten Schriftgröße 12. Außerdem muss man nachweisen, dass man sich den Aufenthalt in Malawi auch leisten kann. Es genügt aber ein ausgedruckter Screenshot des Kontos. Zusätzlich braucht man noch eine Adresse in Malawi. (Kann zum Beispiel auch ein Campingplatz sein). Denn dort wird die temporäre Aufenthaltsgenehmigung dann nach circa vier Monaten hingeschickt.
Markt in Mzuzu Malawi

Am nächsten Tag ist eine Beamtin zuständig und diesmal hört auch keiner Musik. Eigentlich sind alle Unterlagen komplett. Aber sie möchte, dass nicht nur die deutsche Adresse, sondern auch die malawische im Anschreiben steht. (Im Formular steht sie sowieso schon, aber nun gut..) Also nochmal zum Campingplatz zurück, Schreiben vorbereitet, zum Copyshop und wieder zur Immigration. Jetzt steht die malawische Adresse zwar im Anschreiben, aber nach Meinung der Beamtin soll diese auch in den Briefkopf. Jetzt sind wir echt genervt – natürlich gilt sich das nicht anmerken zu lassen. Sachlich wird also noch erklärt, dass es sich um einen feststehenden Firmenbriefkopf, der nur von unseren Mitarbeitern in Deutschland geändert werden könne, handelt. Die Beamtin holt ihren Chef zur Hilfe und siehe da, der sieht das sofort ein und akzeptiert das Anschreiben wie es ist. Wir dürfen die Unterlagen abgeben und die 30.000 MK pro Person (ca. 55 €) zahlen. Dafür bekommen wir den Beleg, und der ist fast wichtiger als das eigentliche Temporary Resident Permit. Denn mit dem können wir jetzt erstmal beruhigt im Land bleiben und auch schon früher ausreisen, falls wir möchten.

Über den Autor

hatte schon immer Fernweh. Als digitale Hanomadin hat sie das Reisen zu ihrem Lebensstil gemacht. Auf runterwegs.de teilt Sie mit Dir Reiseerfahrungen, Reisetipps und was ihr sonst noch in den Sinn kommt.

Hinterlasse einen Kommentar

* Affiliate Link