Kontrastprogramm

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Am 7. Juni 2011 fahren wir über eine holprige – wirklich schlechte – Piste von Gisenyi nach Kibuye. Dafür entschädigt uns die Landschaft, die sehr schön ist und sie bietet immer wieder eine schöne Aussicht von oben auf den Lake Kivu.

Sonnenuntergang am Lake Kivu Ruanda

In Kibuye angekommen fahren wir als erstes zum Home St. Jean, aber hier will man uns nicht campen lassen, obwohl genug Platz da ist. Wir können nur bleiben, wenn wir ein Zimmer nehmen. Schade eigentlich, denn der Blick von hier auf den See ist fantastisch. Also suchen wir weiter. Wir klappen noch bestimmt 5 andere Hotels ab, denn der einzige Camping-Platz, den es gab, hat zu gemacht. Leider haben wir alle Hotels abstruse Vorstellungen, was so eine Nacht auf dem hässlichen Hotelparkplatz wert sein soll. Die Kalkulation scheint folgende zu sein: die Hälfte vom Preis eines Hotelzimmers. Das macht bei den meistens dann 20.000 RF (23 Euro) für zwei Personen campen. Schließlich haben wir doch Erfolg, beim Morian Hotel können wir 5000 RF (6 Euro) aushandeln und immerhin sieht man den See vom Parkplatz aus.. Am nächsten Tag wollen wir ein paar Lebensmittel einkaufen und müssen feststellen, dass nicht viele Läden hier gibt. Und so leckeren Käse wie in Gisenyi gibt es auch nicht. Dafür ist das Gemüse auf dem Markt sehr günstig und wir kaufen kräftig ein. Dann fahren wir ein bisschen durch die Gegend. Plötzlich endet die Asphaltstraße nach Rubongo im Nichts. Das heißt auf einem riesigen Platz der einen tollen Rundumblick auf den See hat. Hier können wir sogar ungestört Buschcampen. Nur abends kommen mal ein paar Jugendliche, setzen sich ein bisschen an den See und gehen wieder. Am nächsten Morgen drehen drei südafrikanische Autos mit Dachzelt eine Runde und sind auch schnell wieder verschwunden.

Wir wollen eigentlich weiter die schlechte Piste am See entlang nach Cyangugu fahren. Aber schon an der ersten Brücke scheitern wir. Sie ist aus Holz und hatte schon fette Löcher. Da wir breiter, als ein normales Auto sind, würden wir direkt dort rein fahren. Spontane Planänderung: wir fahren über die gute Asphaltstraße direkt nach Kigali. Wir sind schon am frühen Nachmittag da, deshalb fahren wir gleich weiter zu den Memorials 30 km außerhalb von Kigali. Zuerst fahren wir zum Nyatama-Memorial. Man kann es kaum beschrieben, was man dort sieht: einfach unfassbar. In der Kirche liegen die Klamotten alle Opfer in großen Haufen. Unvorstellbar wieviele Menschen hier umgebracht worden sind. Die Massengräber hinter der Kirche, die zu einem Teil begehbar sind machen es noch plastischer. Hier sind in einem engen Gang rechts und links Regale mit den Knochen und Schädeln der Opfer raumhoch aufgereiht. Es sind auch viele Kinderschädel dabei. Bei vielen kann man die Macheteneinschnitte erkennen. Mit einem beklommenen Gefühl verlassen wir das Memorial und fahren nach Ntarama. Die Kirche liegt in einer sehr friedlichen und schönen Landschaft. Wir werden von einer Führerin durch das Grundstück geführt. Es wurde alles so gelassen, wie es nach dem Abmetzeln der Tutsis hier aussah. In der Kirche selbst liegen auch die Klamotten der Opfer. Außerdem sind alle Gegenstände hier liegengeblieben, die die Tutsis mitgebracht haben. 5000 Menschen dachten sie könnten in der Kirche Unterschlupf finden und dann die Kirche sicher wieder verlassen. Das Gelände ist so klein, dass wir uns kaum vorstellen können, wo sie alle Platz finden konnten. In einem anderen Raum wurden die Tutsis eingesperrt und dann wurde er angezündet. In der Sonntagsschule für die Kinder sieht man noch die Blutflecke an der Wand, wogegen die kleinen Kinder geschleudert wurden. Auch hier gibt es einen Raum, in dem Regale mit Knochen und Schädeln stehen. Dieses Memorial ist noch beeindruckender, aber auch noch schwieriger zu verkraften, als das Nyatama Memorial. In trüber Stimmung fahren wir zurück nach Kigali. Das Gesehene muss man erstmal verkraften. Aber es hilft nichts, wir müssen erst einen Übernachtungsplatz finden.

Über den Autor

hatte schon immer Fernweh. Als digitale Hanomadin hat sie das Reisen zu ihrem Lebensstil gemacht. Auf runterwegs.de teilt Sie mit Dir Reiseerfahrungen, Reisetipps und was ihr sonst noch in den Sinn kommt.

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