Hanomag mit Meerblick

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Wer träumt nicht von einem Haus am Meer. Mit unserem Allrad-Wohnmobil ist die Realisierung des Traums ganz einfach: Auf den Strand fahren und vier wunderbare Wochen mit Aussicht genießen.

Twiga Lodge, Tiwi Beach, Kenia

Am 6. Juli 2011 lassen wir Mombasa hinter uns und fahren nach einem Halt bei der deutschen Bäckerei und dem Käseladen im Ratna Square zur Likoni-Fähre. Eine lange Autoschlange steht davor. Aber es dauert nicht so lange wie gefürchtet, bis wir an der Reihe sind (210 Ksh für den Hanomag). Erst fahren wir nach Diani, wollen da Geld holen und noch Obst und Gemüse einkaufen.

Nachdem wir schon in Mombasa kein Geld bekommen haben und auch hier bei zwei Automaten kein Glück haben, werden wir ganz nervös. Wir versuchen schon bei Pats Eltern anzurufen, damit diese sich mal bei der Bank erkundigen, ob etwas nicht stimmt. Der dritte Automat rückt aber dann doch Geld raus. Erleichtert fahren wir zur Twiga Logde am Tiwi Beach, die wir auf Anhieb finden, weil sie sehr gut ausgeschildert ist. An der Abbiegung von der Hauptstraße gibt es noch zwei kleine Lädchen, wo wir endlich einen kleinen Sack Kohle bekommen, denn sonst gibt es die oft nur in Riesensäcken.

Die Piste zum Tiwi Beach ist ganz schön steinig, aber der Hanomag schlägt sich durch. Begrüßt werden wir von Eddy, der guten Seele der Twiga Lodge. Wir laufen als erstes vor zum Strand und werden gleich von Beach Boys umringt, die uns Feuerholz, Kokosnüsse, Schnorcheltouren und Motorradverleih anbieten. Abends kommen Australier in einem Landrover an, die von Südafrika nach London fahren. Gleich tauschen wir ein paar Tipps aus. Leider müssen die beiden gleich am nächsten Morgen weiter, weil sie Besuch in Nairobi erwarten. Auch die Zelte, die neben uns standen, sind verschwunden. Von der dänisch-kenianischen Gruppe bekommen wir noch das restliche Feuerholz geschenkt. Sie kommen in zwei Wochen wieder. “Vielleicht sind wir dann noch da,” verabschieden wir uns.

Pina Colada in der Kokosnuss und der Deutsche in der Makuti

Ein paar Tage lang sind wir fast allein da. Wir bekommen noch mal Feuerholz von einem Pärchen geschenkt, das abreist und so sitzen wir am Lagerfeuer und schlürfen Pina Colada aus frischer junger Kokosnuss, Kenya Cane (kenianischer Zuckerrohrschnaps) und Milch. Inzwischen lassen uns auch die Beach Boys in Ruhe, wenn wir was möchten, sagen wir Bescheid. Es kommen jede Morgen mehrere Fischer vorbei, zwei Gemüseverkäufer und Kokosnüsse holen die Beach Boys von der Palme. Der Fisch ist uns erst noch zu teuer, aber je länger wir da sind, desto billiger wird er. Zuerst probieren wir einen Gupa für 200 Ksh. Praktischerweise ist auch das Diani nicht weit weg ist, so fahren wir einen Tag zum shoppen hin und lernen den Deutschen Peter kennen. Er wohnt in einer Makuti – ein traditionelles Kuhdung-Haus mit Strohdach – das er uns gleich zeigt.

Wir laden ihn noch auf einen Espresso im Hanomag ein. Da sein Haus für einen Nicht-Afrikaner so ungewöhnlich ist, hat sogar schon das kenianische Fernsehen und auch die Zeitung über ihn berichtet. Nachdem uns schon der erste Deutsche, den wir gesehen haben, angemotzt hat, weil wir nicht ganz gerade in der Parklücke stehen, sind wir ganz froh, dass es hier auch nette Deutsche gibt.

Auch in Nairobi gibt es Raves

Nach ein paar Tagen bekommen wir auch wieder Gesellschaft, der Amerikaner Kevin baut neben uns sein winziges Zelt auf, das nur aus einem über eine Schnur gespannten Poncho besteht, auf. Er ist eigentlich Skilehrer in Kalifornien, aber gibt zur Zeit Erste Hilfe-Kurse in Nairobi. Dann kommen nach und mehr immer mehr Leute an. Eines Morgens steht plötzlich ein Zelt neben uns. Wir wundern uns wie früh derjenige angekommen ist. Später erzählt uns Ephraim aus Nairobi, dass er den Nachtbus genommen hat und pünktlich zum Sonnenaufgang da war. Später lernen wir noch den Mosambikaner Salomon kennen. Erst reden wir englisch, dann fragt uns sein Sohn Hilario: “Sprecht ihr auch deutsch?”
Ephraim und Hilario – begeistert von unserem Hanomag[/caption] Dann lernen wir auch den älteren Sohn Leandro kennenlernen und Salomons Frau Dorothea. Sie leben erst seit wenigen Jahren in Nairobi und sind eigentlich aus Deutschland. Abends bieten wir Ephraim unsere glühende Kohle an, damit er seine Hamburger grillen kann. Kurz drauf sitzen wir zusammen ums Feuer, trinken Bier und Wein und quatschen bis spät in die Nacht. Alle anderen sind schon lang im Bett. Er erzählt uns, dass seine Freunde nicht verstehen können, warum er campen geht, wo er sich doch ein Hotel leisten könnte. Außerdem hört Ephraim elektronische Musik und geht auf Raves. Schade, dass wir ihn noch nicht kannten, als wir in Nairobi waren. Hätte sicher Spaß gemacht, mit ihm feiern zu gehen.

Zu Gast  in Tonis Village

Als wir morgens aufwachen sitzen schon alle ums Frühstückskochfeuer. Ephraim brät seine Eier mit Speck und wir lernen den Kenianer Morris, die Holländerin Pauline und den Slowenen Toni kennen. Auch Salomon kommt mal vorbei. Toni ist eigentlich schon länger da, aber bis jetzt hatten wir noch nicht mit ihm gesprochen. Er ist LKW-Fahrer und hat jetzt drei Monate Zeit und verbringt diese am Tiwi Beach.

Ephraim wollte eigentlich nur eine Nacht bleiben, aber es gefällt ihm so gut, dass er noch einen Tag dranhängt. Er geht einkaufen und bringt uns was mit. Heute Abend wollen wir zusammen Pina Colada trinken und Hamburger essen. Wir sitzen schon bei Salomon und Familie am Feuer, Ephraim will später nachkommen und verquatscht sich mit Toni, Morris und Pauline.  Als wir ihn suchen gehen um 22 Uhr, liegt er schon im Zelt und schläft. Morris sagt: “ Nee, kann nicht sein, er wollte nur schnell Bier holen gehen.” Zusammen gehen wir zum Zelt. Morris ruft “Rafiki!”, aber es kommt nur ein Brummen aus dem Zelt. Wir haben ihn wohl gestern zu lange wach gehalten.

Am nächsten Tag muss Ephraim schweren Herzens abreisen, da sein Chef ihm so spontan nicht noch einen Tag Urlaub geben kann. Ephraim schenkt uns den Wein, den er gestern nicht mehr geschafft hat und wir trinken ihn abends in Tonis Village. Toni hat es sich um sein Zelt richtig gemütlich eingerichtet, mit Stuhl, Tisch, Windschutz und Couch. Später kommen Pauline und Morris hinzu. Toni gibt eine Wassermelone mit Wodka aus und als Kevin vorbeiläuft, wird auch er eingeladen.

Friseursalon am Strand


Am nächsten Tag lässt sich Pat von einem BeachBoy Dreadlocks machen und abends feiern wir in Salomons Geburtstag rein und wieder gibt’s Wein und sogar Sekt. Am nächsten Abend feiert Salomon seinen Geburtstag mit noch mehr Gästen, denn nun ist auch eine befreundete Familie aus Nairobi angekommen mit Kindern in Hilarios Alter. Auch Kevin, Morris, Pauline und Toni feiern mit.Am nächsten Tag kommen die Holländer Paul und Marja mit ihrem Mercedes alias Wobbel an. Sie sind schon seit zweieinhalb Jahren unterwegs:Erst durch Westafrika nach Kapstadt und wollen nun über Sudan und Saudi Arabien Richtung Asien und weiter bis Mexico.
Sie planen so um die sieben Jahre. Natürlich sitzen sie bald auch am Feuer bei Salomon und Familie. Dort entwickelt sich immer mehr der Treffpunkt des Campingplatzes. Am nächsten Tag fahren wir mit Paul und Marja in die Stadt. Sie wollen ein Teil von Wobbel schweißen lassen. Dummerweise kommen wir nur bis zur Hauptstraße, dann ist das Teil, was Pauls Mutter aus Holland mitgebracht hat, verlorengegangen. Wir suchen vergeblich. Schließlich fahren wir mit dem Bus nach Diani. Dann machen wir unsere Einkäufe und Paul und Marja versuchen im Tuk Tuk das Ersatzteil aufzutreiben. Ohne Erfolg sammeln sie uns wieder ein und wir fahren zurück. Wir holen den Hanomag und schleppen Wobbel zurück zum Tiwi Beach.

Beach Boy rettet unser Handy

In Leandro, Paul und Marja haben wir begeisterte Mitspieler für Gesellschaftsspiele gefunden. Es macht Spaß die Spiele auch mal mit mehr Leuten zu spielen. So ziehen die Tage ins Land, relaxen, spielen und abends am Feuer sitzen. Schön ist es nach Ruanda wieder mal mehr Zeit mit netten Leuten zu verbringen, als sich immer nach zwei Tagen verabschieden zu müssen. Oft gibt es abends gegrillten Fisch, inzwischen bekommen wir schon zwei relativ große Red oder White Snapper sowie Lemon Fish für 200 Ksh.

Besonders lecker schmeckt der Lemon Fish. Mit den Beach Boys verstehen wir uns richtig gut, immer kommt mal einer vorbei zum quatschen. Einer von ihnen, Lugi, spricht uns an, als wir vom Spielen zurückkommen: “Wisst Ihr wo Euer Handy ist?“ “Ja, im Auto,“ antworten wir. “Nein,“ sagt er. “Ich habe es gefunden und bei Paul und Marja abgegeben, weil Ihr nicht da ward.“

Wir sind begeistert von seiner Ehrlichkeit und bedanken uns herzlich bei ihm. Am nächsten Tag kaufen wir ihm eine schöne Kette ab. Da sagt er: “Die müsst Ihr mir jetzt aber nicht nur abkaufen, weil ich das Handy gefunden habe.“ Aber wir sagen, dass wir eh eine kaufen wollten und deshalb kaufen wir sie natürlich bei ihm.

Schnorcheln im Africa Pool

Mit Paul, Marja und Leandro machen wir auf eigene Faust einen Ausflug zum Africa Pool, wo bei Ebbe das Wasser stehen bleibt und es viele Fische geben soll. Es macht Spaß dort zu schwimmen, aber so viel gibt es nicht zu sehen. Bald kommt noch ein Overlander an: Denise und Cyril fahren mit ihrem Landrover von der Schweiz nach Südafrika. Sofort nachdem sie ankommen sind, packen sie eine Massai-Decke aus und sitzen dort bis abends spät. Deshalb erhalten sie von uns den Spitznamen “die mit der Decke”.
Overlander Treffpunkt Tiwi Beach in Kenia
Dazu gesellt sich noch ein österreichisches Backpacker-Hippie-Pärchen. Es dauert nicht lange und alle vier sitzen mit ums große Feuer bei der mosambikanisch-deutschen Familie. Sogar musikalische Unterhaltung mit mittlerweile drei Gitarren und einer Trommel. Salomon ist Trommellehrer und Gitarrenspieler und auch Cyril sowie der österreichische Hippie haben ihre Gitarren mit auf Reisen genommen.

Aber alles geht einmal vorbei. Morris und Pauline nehmen sich jeden Tag vor abzureisen, denn sie wollen noch nach Zanzibar. Es dauert, bis sie sich losreißen können. Auch unsere Lieblingsfamilie muss irgendwann abreisen. Beim Abschiedsgrillen sind es um die 20 Leuten und auch die kenianischen Camper neben uns werden von der guten Laune angesteckt und sitzen bald mit am Feuer. Vielleicht war es aber auch der Bob Marley-Song, der sie angelockt hat, zumindest singen sie begeistert mit. Dann reisen auch die Österreicher ab und die Schweizer treffen Denises Eltern in Diani.

Brot backen für Fortgeschrittene mit einem Schweizer Bäcker

Tatsächlich treffen wir auch die dänisch-kenianische Familie wieder, die uns das Feuerholz am Anfang geschenkt hatte. Wir bleiben noch ein paar Tage am Tiwi Beach mit Paul und Marja. Denise und Cyril kommen auch noch mal zurück für zwei Tage.

Am Abend machen wir das Brot, das uns Cyril gezeigt hat. Ein Tipp vom Profi, denn Cyril ist Bäcker. Man macht normalen Hefeteig, wie auch für unser Pfannenbrot und tut noch italienische Kräuter dazu und lässt ihn zwei Stunden gehen. Dann wir der Teig nicht ausgerollt sondern zu etwas dickeren Talern geformt und dann über Kohle gebacken. Schmeckt himmlisch und frischer geht’s nicht. Fortan heißt das Brot bei uns Cyril-Brot. Dazu gibt es Thunfisch-Mayonaise-Aufstrich – das Rezept haben wir von Marja.

Nach 27 Tagen am Tiwi Beach machen wir uns dann aber doch auf den Weg Richtung Tansania. Wir machen noch einen Zwischenstopp beim Mawezero Beach, das von einem Deutschen geleitet wird und im Reiseführer toll klang. Für normaler Urlauber, die frisch aus Europa einfliegen und in den schönen Beach-Bungalows wohnen, ist es das auch. Aber der Campingplatz hat leider gar keinen Blick aufs Meer. Die Bar ist auch schön, aber uns ist alles schlichtweg zu teuer, denn es sind alles Euro-Preise. Wenn man in Kenia Schilling zahlen will, wird zu einem schlechten Kurs umgerechnet. Bier zum Beispiel kostet 2,50 Euro. Selbst in teuren Restaurants und Hotels direkt am Strand in Mombasa war’s billiger.

Am nächsten Tag sind wir früh an der Grenze bei Lunga Lunga und haben in Kenia alles superschnell erledigt. Eigentlich hätten wir noch mal Straßensteuer zahlen müssen, aber wir zeigen dem Grenzbeamten unsere alte Quittung von der ersten Ausreise und er ist damit zufrieden. Schwein gehabt!

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Über den Autor

hatte schon immer Fernweh. Als digitale Hanomadin hat sie das Reisen zu ihrem Lebensstil gemacht. Auf runterwegs.de teilt Sie mit Dir Reiseerfahrungen, Reisetipps und was ihr sonst noch in den Sinn kommt.

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