Wie der Hanomag in Namibia zum Lebensretter wurde

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In Namibia haben wir eine unserer schönsten Reisegeschichten erlebt. Auch wenn ich mir dabei die Finger meiner linken Hand gebrochen habe…

Dramatische Szenen auf der Rinderfarm

Eigentlich fing alles an, wie ein ganz normaler Tag auf einer Rinderfarm in der Nähe von Grootfontein: Farmbesitzer Arnold nimmt uns mit auf seine Kontrollfahrten über sein Grundstück. Heute stellten wir fest, dass ein paar Kühe und Ochsen von Ihrer Weide ausgebüchst sind. Tragischerweise ist ein Ochse dabei in den Bewässerungskanal gefallen.

Ochse in Wasserkanal, Grootfontein, Namibia

Da es an den Seiten steil bergauf geht, kommt das Tier ohne fremde Hilfe nicht mehr alleine heraus. Er gibt aber nicht auf und versucht immer wieder aus eigener Kraft aus dem Kanal zu klettern. Sichtlich verausgabt sich der Ochse und wird immer erschöpfter. Die Zeit drängt. Wenn niemand den Ochsen aus dem Kanal zieht, würde das seinen sicheren Tod bedeuten.

Rettungseinsatz für unseren Hanomag

Leider sind Arnolds beide Allradfahrzeuge gerade in der Werkstatt und sein alter Bulli ist für diese Aufgabe nicht geeignet. So trifft es sich gut, dass wir gerade zu Gast sind: Schließlich ist der Hanomag im Herzen ein Traktor. Da kann er mal zeigen, was er drauf hat.

Patrick muss so hinfahren, dass wir den Ochsen am Hanomag festbinden können. Ganz schön viel Rangierarbeit ohne Servolenkung! Ich springe aus dem Hanomag, um Patrick einzuweisen. Dann passiert es: Ich achte nur auf den Hanomag, aber nicht wo ich hintrete. Schwups und schon bin ich auf den Kieselsteinen ausgerutscht. Und zwar so blöd, dass ich mit meinem ganzen Körper auf meine linke Hand gefallen bin.

Das sieht gar nicht gut aus, es schmerzt höllisch „Ist bestimmt gebrochen,“ stelle ich fest. Aber ins Krankenhaus können wir jetzt natürlich nicht gleich. Der Ochse ist ärmer dran, als ich. Zuerst müssen wir ihn aus dem Kanal retten. Mit anpacken kann ich jetzt nicht mehr. Dafür filme ich tapfer mit der gesunden Hand die dramatische Rettungsaktion.

Das Leben des Ochsen ist jetzt wichtiger, als meine Schmerzen…

Arnold, seine Familie sowie seine Mitarbeiter binden mit vereinten Kräften den Ochsen am Hanomag fest. Diesem passt das überhaupt nicht und er wehrt sich mit allerletzter Kraft dagegen. Trotzdem können die entschlossenen Retter ihn zu seinem Glück zwingen. Es braucht aber mehrere Anläufe, bis das widerspenstige und völlig verängstigte Tier auf festem Boden steht. Ich stehe weiter weg mit meiner gebrochenen Hand, filme und habe Muffensausen.

Es sieht wirklich bedrohlich aus für die Menschen, die bei der Rettung helfen und für den Hanomag. Aber seht es Euch selbst im Video an:

Der Ochse ist nicht so glücklich mit dem Strick um den Hals und schlägt immer wieder mit dem Kopf gegen den Hanomag. Wagemutig entfernt Farmbesitzer Arnold den Strick. Happy End für das Tier. Zum Glück bleibt auch meine Verletzung die Einzige an diesem Tag. Aber die muss jetzt auch mal endlich behandelt werden.

Happy End für den Ochsen – Gipsarm für mich

Es schmerzt total, besonders auf den ruckeligen Pisten durch die Farm bis zur Teerstraße. Arnold gibt uns seine Tochter mit, die uns den Weg zeigt zur Notaufnahme. Da es Sonntag ist, muss der Arzt erst mal angerufen werden. Genauso wie die Frau, die für das Röntgen zuständig ist.

Schließlich bestätigt sich meine Vermutung: Drei Fingerknochen sind gebrochen. In Deutschland würde das operiert werden, aber in Grootfontein gibt es keinen Orthopäden – die gibt es nur in Windhoek und Swakopmund. So legt mir der Allgemeinmediziner nur einen Gips an. Der Doktor spricht ziemlich gut deutsch – in Namibia nicht ganz so überraschend. Dabei kommt er gar nicht aus der ehemaligen deutschen Kolonie, sondern aus Südafrika.

Verena mit Arm im Gips

Und dann auch noch das….

Dann kommt am nächsten Morgen noch ein Schock: Meine Hand ist plötzlich ganz blau. „Mir bleibt aber auch echt nichts erspart…“ Also wieder zurück in die Stadt, diesmal in die Praxis des Mediziners, der mich gestern behandelt hat.

Wir müssen ewig warten. Ich habe Angst, denn die Hand wird immer blauer. Dann endlich hat der Arzt Zeit für mich.Haben wir uns zwar schon gedacht, aber jetzt steht es fest: Der Gips muss ab und zwar schnell. Ich bekomme anschließend einen neue abnehmbare Schiene. Ob sich weitere Komplikationen ergeben haben und ob alles trotz der nicht ganz optimalen Behandlung gut verheilt ist erzähle ich Dir ein anderes Mal..

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Über den Autor

hatte schon immer Fernweh. Als digitale Hanomadin hat sie das Reisen zu ihrem Lebensstil gemacht. Auf runterwegs.de teilt Sie mit Dir Reiseerfahrungen, Reisetipps und was ihr sonst noch in den Sinn kommt.

3 Kommentare

  1. Ui, erstmal gute Besserung! Ich hoffe deiner Hand geht es schnell wieder besser!
    Tolle Rettungsaktion, stellt euch vor ihr wäret nicht vor Ort gewesen… Nein besser nicht! Das arme Tier.
    Liebe Grüsse
    Veronica

  2. Ein wirklich spannender Bericht, ich hoffe du konntest dich gut von deiner Verletzung erholen. Ich hoffe ich erlebe auch so spannende Dinge bei meiner Namibia Rundreise :-)

    LG

  3. Edith & Jürgen am

    Hallo , habe von eurem Blog gehört und gleich einmal gelesen. Sehr schöne Reiseerlebnisse. Da wir erst seit 2 Wochen in Südafrika sind und heute unseren Bulli aus dem Hafen geholt haben, ist es schön von euch zu lesen. Ja, auch mit einem kleinem VW Bus, kann man großes Erleben und bereisen. Wir sind auch seit 2010 unterwegs, aber immer von Mai – September in Deutschland.
    Wenn ihr Lust auf mehr Kontinente habt, schaut doch auch mal in unserem Blog.
    bullireise.blogspot.de über Google.
    LG. Edith & Jürgen

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