Polizeieskorte nach Khartoum

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Früh am Morgen werden wir am 2. Februar 2011 vom Gebetsruf der Moschee geweckt. Später nach einem guten Frühstück machen wir uns nochmal auf den Weg ins kleine Zentrum von Aulia, um noch ein paar Besorgungen zu machen. Dort werden wir von einem Mann in zivil angesprochen, der behauptet Polizist zu sein und unsere Ausweise sehen will. Überzeugt sind wir nicht, aber wir zeigen sie ihm, geben sie dabei aber nicht aus der Hand. Zurück am Hanomag, überlegen wir, wie wir weiter fahren wollen und stellen fest, dass wir doch schon ziemlich nah an der Grenze zur Region Abyei. Bei unserer Planung würden wir durch diese durchfahren und das ist problematisch, da diese Provinz im nord-südsudanisischen Konfikt umstritten ist. Als wir uns gerade entschlossen haben, umzudrehen und nach Khartoum zurückzufahren, hält plötzlich ein Polizeiauto vor uns an mit circa 10 Polizisten an Board.

Verhaftet im Sudan

Wir sollen ihnen hinterherfahren zum Polizeirevier und setzen uns gleich noch einen bewaffneten Polizisten mit ins Auto, was ziemlich eng ist, da der Hanomag nur zwei Sitze hat. Auf dem Revier werden wir erstmal mit Tee bewirtet und wir bekommen etwas zu essen angeboten. Dann wollen sie wissen, was wir in Aulia wollen und sie kontrollieren unsere Fotokamera sowie alle Papiere. Zum Glück haben ja die Fotoerlaubnis erworben. Mit unserer Erklärung, dass uns das Navi auf die falsche Straße geschickt hat und wir gerade über Khartoum zurück auf die andere Straße fahren wollten, sind sie erstmal zufrieden und mit unseren Papieren ist alles in Ordnung. Dennoch begleiten sie uns bis nach Khartoum, wo wir auch noch vom Geheimdienst interviewt wurden. Das hatte sich allerdings innerhalb von 15 Minuten erledigt. Sie dachten, wir wären aus dem Südsudan gekommen und waren erleichtert, dass wir uns nur „verfahren“ haben. So konnten wir endlich alleine weiterfahren. Da es nun schon dämmerte, fuhren wir nur noch zum National Campingplatz.

Diesmal sind wir nicht allein. Wir treffen Herta und Werner, die mit ihrem Landcruiser gerade aus den Nuba Mountains zurück sind und auf dem Weg nach Eritrea sind. Außerdem stehen ganz viele Zelte und Trucks da: die Tour d’Afrique macht hier Station. Wir treffen einen der Mitarbeiter, Elvis aus Tanzania, der schon seit Jahren als „Black man on a bike“ mit seinem Fahrrad Afrika bereist. Bisher der einzige schwarze Traveller, den wir getroffen haben. Und auch Elvis selbst sagt er sei noch nie einem begegnet. Beim Frühstück lernen wir den Deutschen Mike kennen, der an der Tour d’Afrique teilnimmt. Während wir quatschen, kommen plötzlich einige Männer in schicken Anzügen vorbei, begleitet von einer professionellen Videokamera und schütteln uns die Hand. Wir erfahren, dass es sich um den Minister der Minister der Region handelt, der mit seiner Delegation die National Camping Residence besucht. Für so einen hohen Besuch waren wir natürlich nicht hergerichtet. Und jetzt kommen wir und der Hanomag womöglich noch ins sudanesische Fernsehen. Als wir in der Stadt Besorgungen machen, hält plötzlich ein sudanesisches Auto neben uns und spricht uns auf deutsch an. Nagi ist in Deutschland aufgewachsen, aber seine Eltern kommen aus dem Sudan. Nun arbeitet er als Architekt in Khartoum und gibt uns gleich seine Telefonnummer.

Über den Autor

hatte schon immer Fernweh. Als digitale Hanomadin hat sie das Reisen zu ihrem Lebensstil gemacht. Auf runterwegs.de teilt Sie mit Dir Reiseerfahrungen, Reisetipps und was ihr sonst noch in den Sinn kommt.

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