Silvester 2010 in Cairo

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Am 29. Dezember fahren wir vom Sinai Richtung Cairo. Eine ganze Weile führt die Straße am Golf von Suez entlang. Allerdings verläuft die Straße nicht direkt Meer, so sieht es von weitem so aus, als würden die großen Containerschiffe durch die Wüste fahren. Kurz vor dem  Suez-Kanal ist ein richtiger Schiffsstau. Kurz danach machen wir einen Zwischenstopp in Ras El Sudr, was bei Surfern sehr bekannt sein soll. Leider liegen die Ressorts alle ziemlich weitaußerhalb  und die Surfer schaffen es wohl nicht in die Stadt, sondern pendeln nur zwischen Meer und Hotel. Es ist aber richtig entspannend durch die Stadt zu laufen, ohne überall in Restaurants, Souvenirläden oder Cafés gelockt zu werden. Wir werden nur freundlich begrüßt und können uns ganz in Ruhe umschauen.

hanomag-sinai-egypt

So versuchen wir in einem Autogeschäft mit Gesten einen Sound für den Rückwärtsgang zu kaufen. Wir haben das bei vielen ägyptischen Autos gehört, z.B. Vögel die zwitschern. Nach einer Weile versteht der Besitzer, was wir wollen und führt uns das Teil sofort vor. Leider ist der Sound weit von Vogelgezwitscher entfernt – einfach nur schrecklich. Einen weiteren Stopp machen wir in Suez, wo wir eigentlich gern Fisch essen gehen wollten, aber wir finden nichts, was uns zusagt. Ein Internet Café entdecken wir leider auch nicht. Dafür lernen wir Ahmed kennen, der früher, bevor es die Fähre über den Nasser-Stausee gab, die Reise in den Sudan mit der Fähre über Saudi Arabien für Touristen organisiert hat. Stolz erzählt er uns, dass er damals sogar vom Lonely Planet empfohlen wurde. Wir versuchen dann noch einen Übernachtungsplatz zu finden, aber es ist nichts geeignet in der Stadt. Außerdem ist der Verkehr fast so chaotisch, wie in Alexandria, so dass wir dann doch lieber auf die Fernstraße Richtung Cairo fahren. An einer Haltebucht übernachteten wir. Nachts standen wir dort ganz alleine, aber als wir morgens aufstanden, war um uns herum alles voll von LKW. Komische Schlafzeiten haben die hier. Als wir am nächsten Tag weiterfahren, merken wir gleich, als wir uns Cairo nähern, denn der Verkehr wird dichter und damit chaotischer. Nach dem relativ ruhigen Sinai, sind wir das nicht mehr gewohnt.Wir kämpfen uns dennoch ohne Schaden am Auto über die Ring Road bis zum Campingplatz durch, der im Vorort Haranniya nicht allzu weit von den Gizeh-Pyramiden weg liegt. So nah, dass man eine der Pyramiden sogar von dort aus sehen kann. Leider sind wir die einzigen Gäste. Den Rest des Tages verbringen wir damit die 50 Nippel am Hanomag abzuschmieren, damit er auch weiterhin so brav weiterläuft.

Pat schmiert den Hanomag in Kairo ab

Silvester fahren wir erstmal mit dem Hanomag zu den Pyramiden von Sakkara. Hier gibt es ein kleines, aber feines Museum, wo wir die erste Mumie sehen und beeindruckende Sarkophage. Dann können wir mit dem Hanomag den Berg hochfahren, quasi bis kurz vor die Pyramiden. In Sakkara ist die Hauptattraktion die Stufenpyramide von Zosr. Daneben gibt es die Ruine eines Tempels, an dessen Eingang sich gleich ein Guide mit einem Trick an uns dranhängt, aber wir schaffen es ihn abzuschütteln. Außerdem kann man sich viele Gräber mit den typischen Malereien anschauen. Vor jedem Grab stehen allerdings Guards, die Baksheesh kassieren wollen. Das nervt etwas, vor allem weil wir uns wundern, wofür die da sind. Eigentlich sollen sie ja das Fotografierverbot durchsetzen oder Touristen davon abhalten etwas zu beschädigen. Stattdessen ermutigen sie sogar noch zu Fotos und die vielen eingeritzten Kritzeleien von Besuchern zeigen, dass es mit dem Schutz auch nicht weit her ist. Schön ist, dass es keinen festgelegten Rundgang gibt, sondern man kein einfach frei durch das weitläufige Gebiet wandern. Fast hätten wir es verpasst,da sie eher nach Sandberg als nach Pyramide aussieht, aber man kann tatsächlich rein. Gebückt muss man die schmalen Stufen in Schwarze herabsteigen. Innen sind die Gräber sehr gut erhalten, was sich von außen wirklich nicht vermuten lässt.

Pyramiden von Sakkara

Abends fahren wir mit dem Taxi zum Restaurant Fish Market, das laut Lonely Planet ein kleines, einfaches Fisch Restaurant sein soll – auf einem Nil Boot. Die Taxifahrt dahin ist ein Erlebnis, mit 80 durch die Stadt trotz Stau. Der Fahrer quetscht sich in jede Lücke, so sehen wir den Verkehr mal aus einer anderen Perspektive. Um auf das Boot zu gelangen, muss man erstmal durch eine Sicherheitsschleuse, im Gegensatz zu den Ägyptern werden unsere Taschen nicht kontrolliert. Allerdings ist das Boot ganz anders als gedacht, unten drängen sich schicke, junge Leute vor dem TGI Friday’s und das Fish Market entpuppt sich asiatisches Restaurant mit fernöstlicher „Fusion Cuisine“. Wir wollen aber lieber die arabische Küche kennenlernen und verlassen das Boot, um am Nil spazieren zu gehen. Während im Rest von Ägypten und in Haranniya alle sehr traditionell gekleidet waren, sind wir hier nun im modernen Cairo angekommen. Alle sind modern und die Frauen figurbetont angezogen, die meisten tragen jedoch trotzdem Kopftuch, auch wenn dieses oftmals peppiger gebunden ist. Überall stehen Polizisten. Im Reiseführer von 2008 ist hier nichts angegeben, inzwischen reihen sich aber Boot um Boot mit Club und Restaurants aneinander. Das Ambiente zeigt uns, dass das unsere Reisebudget klar übersteigt. Zwischendurch kommen uns Frauen in sehr knappen Minirock und tiefen Ausschnitt entgegen, die sind aber auch mit dem Taxi bis vor die Tür des Clubs gefahren.

Silvester in Kairo

Wir laufen bis zur 8. Oktober Brücke die zum Midan Tahir in Downtown führt. Hier auf der Brücke ist richtig was los, aber Touristen begegnen wir nur sehr vereinzelt. Wir bleiben da, vielleicht passiert ja was um Mitternacht. Eigentlich feiern die Moslems ja kein Silvester, aber da auf vielen Booten „Happy New Year“ groß draufstand, vielleicht ja doch. Während wir warten, läuft ein total besoffener Ägypter vorbei, haben wir bis jetzt auch noch nicht gesehen. Nur wir haben keine Bar und auch keinen Beer Shop gefunden….Neben uns steht eine Familie, die der Besoffene angelabert hat. Lachend schauen Sie uns an und sagen „Crazy man“ und zeigen die Trinkgeste. Die Familie stammt aus Libyen und ist in Urlaub hier. Der Vater stellt uns gleich alle vor, auch wenn er nur wenig englisch spricht. Aber verweist uns direkt auf seine Frau die ziemlich gut englisch spricht. Dann zückt er noch das Handy und zeigt Fotos von seinen anderen Kindern, die zu Hause geblieben sind. Um Mitternacht passiert allerdings nicht außer dass zwei Böller hochgehen. 5 Minuten später verlassen die meisten Menschen die Brücke. Wir suchen noch kurz in Download nach einem Imbiss, aber das meiste hat zu. Das was übrig ist, sind Fast Food Ketten und drei Imbisse, die nicht wirklich gut aussehen. Also suchen wir uns ein Taxi, leider verlangen die meisten astronomische Preise nach Haranniya. Dann finden wir eins der neuen Taxis mit Taxameter. Wir fragen trotzdem, was das ungefähr kostet und er sagt circa 25 Ägyptische Pfund (LE). Das passt, denn für die Hinfahrt hatten wir 20 LE bezahlt und war etwas näher. Leider kennt sich der Taxifahrer nicht wirklich aus, fragt dreimal nach dem Weg und fährt einen ziemlichen Umweg. Am Ende zeigt der Taxameter 35 LE an. Wir wollen nur 25 LE zahlen, weil wir erklären, dass wir nicht mehr Geld dabei haben und wir seine Umwege nicht zahlen wollen. Erstaunlicherweise sieht der Taxifahrer seinen Fehler sofort ein und will uns sogar das ganze Geld zurückgeben, weil er verstanden hat, wir hätten kein Geld. Natürlich bestehen wir drauf, dass er die 25 LE nimmt.

Über den Autor

hatte schon immer Fernweh. Als digitale Hanomadin hat sie das Reisen zu ihrem Lebensstil gemacht. Auf runterwegs.de teilt Sie mit Dir Reiseerfahrungen, Reisetipps und was ihr sonst noch in den Sinn kommt.

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