Tam Tam: aus 1 Tag werden 26

2

Am 12.05.2011 fahren wir in Cyanika über die Grenze nach Ruanda. Das erst Mal in Afrika müssen wir nichts für unser dreimonatiges Visum zahlen und es fallen auch keine Kosten wie Straßensteuer o.ä. an.

In Ruhengeri ziehen wir am Automaten erstmal ruandische Franc. Die Ecobank akzeptiert auch ausländische Visakarten. In Ruhengeri wollen wir nicht bleiben und entdecken in Track4Africa, dass man in Gisenyi beim Tam Tam, das direkt am Lake Kivu liegt campen kann, allerdings mit dem Hinweis, dass es dort keine Duschen gibt. Aber das macht uns ja nichts. Wir fragen an der Bar, was das campen kostet. Wir handeln von 10000 RF auf 5000 RF (1€ = 849) runter. Dann testen wir erstmal drei ruandische Biersorten, die im Tam Tam in kleinen 0,33 L Bierflaschen serviert werden. Für ein kleines Land hat Ruanda erstaunlich viele Biersorten und in Gisenyi steht eine der beiden Brauereien des Landes. Es gibt Primus, Mützig, das dunkle Turbo King und Skol, aber auch Heinelen, Amstel und Guiness. Neben den kleinen Bierflaschen gibt es auch noch die stolzen 0,650 L und 0,720 L Bierflaschengröße. Eigentlich wollen wir nur einen Tag bleiben, aber es gefällt uns so gut, dass wir noch eine Nacht bleiben. Am Freitag ist die Beach Bar schon viel voller als am Donnerstag. Als uns Fiston, der Kellner, erzählt, dass es am Samstag richtig voll wird und überall am Strand Lagerfeuer angezündet werden, bleiben wir noch einen Tag. Wir lernen Gregory und seinen kleinen Sohn kennen und unterhalten uns mit einigen Kongolesen. Viele sind neugierig und kommen mal, vorbeischauen. Sie wundern sich wahrscheinlich, warum da Leute mit eigenen Liegestühlen vor dem Parkplatz und einem Lkw sitzen. Abends kommt auch der belgische Besitzer bei uns vorbei, er hat von Fiston gehört, dass wir da sind und möchte mehr über unsere Reise erfahren. Goma im Kongo ist nur 2,5 km von Gisenyi entfernt. Verlockend mal rüber zu schauen, vor allem wo es in Goma noch einen aktiven Vulkan gibt. Leider kostet das 8 Tage Visum inzwischen 240 $. Es gefällt uns so gut im Tam Tam, dass wir noch einen Tag bleiben. Der See fühlt sich an wie Meer mit richtigen Wellen und Sandstrand. Auch am Sonntag lernen wir wieder viele Leute kennen. Wir sind erstaunt, wie selbstverständlich die Ruander vom Genozid sprechen. Es ist wie eine neue Zeitrechnung: vor und nach dem Genozid.

Uns gefällt es sogar so gut in Gisenyi, das wir überlegen uns für einen Monat ein Apartment zu mieten oder ein Grundstück, wo wir campen können. Wir erkundigen uns bei den Leuten, die wir kennengelernt haben. Der Rettungsschwimmer vom Tam Tam Mandela legt sich richtig für uns ins Zeug. Dann lernen wir aber den zweiten Besitzer vom Tam Tam – Jean-Pierre – kennen und handeln mit ihm einen günstigen Preis für eine Woche aus. Jean-Pierre ist Ruander, hat aber sehr lange in England gelebt. Er betreibt noch das Restaurant The Bistro, wo es kostenlos Wifi gibt. Wir haben mal wieder Lust auf Pizza und gönnen uns eine im Bistro. Sehr lecker, aber etwas klein für unseren großen Hunger. Jean-Pierre stellt uns den Deutschen Anthony vor, bei dem wir gleich deutsches Brot bestellen und dann kommt noch ein Gruppe deutsche Volontäre rein. So wird es ein sehr lustiger Abend, den wir in einer lokalen Kneipe beenden, wo dank des deutschen Einflusses der Volontäre Seed läuft. Einen Morgen werden wir von einem sehr lauten Geräusch wach: ein Militärhubschrauber fliegt über uns und landet direkt gegenüber auf einem Fussbalfeld. Auch wir, wie viele andere, schauen neugierig, was da los ist. So lernen wir Jean-Pierre Abdallah kennen, der bei der Brauerei arbeitet. Wir fragen ihn, wo wir die Primus-Gläser kaufen können. Das weiß er nicht, aber er kann uns T-Shirts von Primus besorgen. Innerhalb von 10 Minuten steht er mit zwei Polo-Shirts vor der Tür. Eine weitere Viertelstunde später bekommen wir noch ein Heineken Baseball-Cap dazu. Für den nächsten Tag will er eine Brauereiführung für uns möglich machen. Denn wie es der Zufall will, ist morgen Besuchstag. Abdallah will uns um 8 Uhr morgens abholen. Wir denken wir sind Afrika und denken 8 Uhr heißt so zwischen 9 Uhr und 10 Uhr, also stellen wir uns den Wecker zur Sicherheit um 7:30 Uhr. Schon um 7:45 Uhr ist Abdallah da. Als er uns noch im Schlafanzug dastehen sieht sagt er: „Beeilung, der Mitarbeiterbus kommt uns pünktlich um 8 Uhr abholen.“ Wir schmeißen uns in Windeseile in unsere Klamotten und tatsächlich um kurz vor 8 Uhr fährt der Bus vor. Sind wir wirklich in Afrika? Da die Führung erst um 10 Uhr beginnt, zeigt uns Abdallah die Penninsula. Die Führung durch die Brauerei ist sehr informativ, vor allem da wir mit Abdallah ganz nah an die Abfüllanlage ran dürfen. So dicht ist man in Deutschland nie dran. Zum Abschluss gibt’s ein Bier gratis. Das haut schon rein, da wir keine Zeit mehr zum frühstücken hatten. Danach geht’s zurück zum Hanomag und wir ruhen uns den Rest des Tages aus weil wir total k.o. sind, weil wir am Abend vorher so lang unterwegs waren. Dann bekommen wir doch noch überraschenden Besuch, die deutschen Volontäre – Carlo, Flo, Stephan und Sophie,kommen vorbei und sind neugierig auf den Hanomag.

(Fortsetzung auf Seite 2)

1 2 3

Über den Autor

hatte schon immer Fernweh. Als digitale Hanomadin hat sie das Reisen zu ihrem Lebensstil gemacht. Auf runterwegs.de teilt Sie mit Dir Reiseerfahrungen, Reisetipps und was ihr sonst noch in den Sinn kommt.

2 Kommentare

  1. Pingback: Eine wie keine in Afrika - Kigali - runterwegs

  2. Pingback: Afrikanische Musik - Unsere 11 Lieblingskünstler

Hinterlasse einen Kommentar

* Affiliate Link