Von Klöstern und Blauen Tälern

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Kaum sind wir auf dem Parkplatz angekommen, werden wir schon von mehreren Kameltreibern angesprochen, ob sie uns auf den Mosesberg bringen sollen. Von jungem Kind bis altem Herren ist alles dabei. Als wir ablehnen, fragen sie uns nach Essen, die meisten höflich, ein Kind sagt aber nur im Befehlston „Give me food.“ Mit einem unterhalten wir uns lange, er ist nicht aufdringlich, sondern wirklich sympathisch, ihm schenken wir einen der ungarischen Äpfel. Wenn wir nicht selbst laufen wollten, wären wir gen mit ihm geritten. Früh gehen wir ins Bett, weil wir schon um 1 Uhr nachts aufstehen wollen, um uns einer der vielen Reisegruppen anzuschließen, die den Berg erklimmen. Das klappt leider nicht so gut, weil uns gleich drei ehrgeizige Führer erspähen und blitzschnell raffen, dass wir nicht zu der Gruppe gehören. Sie zerren uns zur Touristenpolizei. Die bestätigen, dass man ohne Führer nicht auf den Berg darf „Egyptian Law“.

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Wir wollen aber nicht die ganze Zeit mit so einem unsympathischen Typen an der Seite den Berg hoch laufen. Hätten wir das früher gewusst, hätten wir lieber ein Kamel genommen.Vor allem ist es lächerlich, weil eine ganze Prozession den Berg hoch läuft und oben so viel los ist, dass man den Sonnenaufgang gar nicht in Ruhe genießen kann. Also gehen wir wieder ins Bett. Am nächsten Morgen gehen wir zu dem österreichischen Ford Transit, der uns schon am Abend aufgefallen ist. Er ist überall mit Grüßen beschrieben und es steht Austria – South Africa drauf. Magda und Alex sind nun auch wieder da, sie hatten auf dem Berg übernachten. Wir trinken einen Kaffee zusammen und stellen fest, dass wir auf eine ähnliche Art und Weise reisen – ohne Zeitlimit und relativ langsam.

Danach besichtigen wir das Katharinenkloster und das Museum mit vielen alten Schriften. Ein so volles Museum habe ich selten gesehen. Die Reisegruppen schieben sich dicht gedrängt durch die engen Räume. Das Kloster wirkt eher wie eine Festung oder Burg und ist sehr beeindruckend, eine kleine griechisch-orthodoxe Enklave im islamischen Ägypten. Danach fahren wir zum „Blue Valley“, auf dem Weg dorthin taucht hinter uns ein Ford Transit auf. Gemeinsam machen wir Rast im Blauen Tal, dort hat ein belgischer Künstler blaue Farbe über mehrere Felsen gegossen. Inzwischen ist die Farbe etwas abgeblättert, aber es wirkt alles immer noch sehr surreal. Beim Rückweg löst sich beim Transit ein Schlauch, aber sie haben das Ersatzteil dabei. Wir sollen schon mal vorfahren, vielleicht treffen wir uns in der Oase Feiran. Tatsächlich kommt uns als wir gerade durch Feiran durch fahren der Ford Transit entgegen.

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Wir beschließen etwas Gemüse einzukaufen, einen Schlafplatz zu suchen und dann gemeinsam zu kochen. Die Suche nach Brot gestaltet sich schwieriger, ein Beduine fährt uns schließlich mit seinem Pick-up zur Bäckerei, weil sein Englisch nicht für eine Wegbeschreibung reicht. Erst kriegen will altes Brot, das wir nicht akzeptieren. Dann soll Frisches gemacht werden, was etwas dauert. Am Ende ist es etwas teuer, aber wir sehen es al Trinkgeld fürs Fahren und die Hilfe. Bei den Ausläufern der Oase, halten wir einfach am Straßenrand. Als wir gerade fertig sind mit Essen, kommt die Polizei, aber sie sprechen kein englisch, deswegen finden wir nicht raus, was sie wollen. Sie schreiben unsere Nummernschilder ab und fahren wieder. Etwas später kommt noch ein Polizist, der besser englisch spricht und den wir schon in Feiran kennengelernt haben. Er will uns zu einem sicheren Schlafplatz führen, der von einem bewaffneten Polizisten bewacht wird: das Nonnenkloster in Feiran, das zum Katharinenkloster gehört. Morgens dürfen wir es noch besichtigen und werden von einer rumänischen Nonne durchs Kloster geführt, das Moses gewidmet ist. Danach verabschieden wir uns von Magda und Alex, die noch weiter im Sinai bleiben und fahren in Richtung Suez.

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hatte schon immer Fernweh. Als digitale Hanomadin hat sie das Reisen zu ihrem Lebensstil gemacht. Auf runterwegs.de teilt Sie mit Dir Reiseerfahrungen, Reisetipps und was ihr sonst noch in den Sinn kommt.

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