Warten auf den Hanomag

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Als wir am 18. Januar 2011 am Hafen von Wadi Halfa anlegen, freuen wir uns schon, dass wir direkt von der Fähre können, da unser Pass ja schon gestempelt wurde. Weit gefehlt! Wir müssen im Speisesaal Platz nehmen, wieder zwei Formulare ausfüllen für den „Travel Permit“, ohne den wir nicht außerhalb Khartoum reisen dürfen. Außerdem werden unsere Carnets von dem Helfer auf sudanesischer Seite Magdi eingesammelt. Eigentlich soll man das Carnet ja nie aus der Hand geben, aer uns bleibt nichts anderes übrig. Willkommen in Afrika! Mit einem Bus werden zum Zoll gefahren, wo unsere Taschen durchsucht werden. Danach sind wir wirklich im Sudan angekommen. Uns wird angeboten, uns alle mit einem Bus zum Hotel in Wadi Halfa zu bringen – für 5 sudanesische Pfund (SDG). Obwohl wir wissen, dass es für die paar Kilometer zu teuer ist, nehmen wir an, denn wir haben keine Lust in der Hitze zu laufen.

Lokanda in Wadi Halfa, Sudan

Das Kilopatra Hotel soll 15 SDG pro Person kosten, die eine Hälfte der Gruppe steigt dort ab. Die andere Hälfte inklusive zieht in ein Hotel gegenüber, dass nur 7 SDG pro Bett kosten. Da alle Hotels in Wadi Halfa klassische sudanesische „Lokandas“ sind, macht es keinen großen Unterschied. Die nächsten zwei Tage verbringen wir mit Essen gehen, Tee und Fruchtsäfte trinken sowie mit den anderen Auto- und Motorradfahrern quatschen. Die beiden ungarischen Motorradfahrer sind die ersten Ungarn, die mit dem Motorrad südlicher als Assuan fahren. Noch dazu spricht Marton fließend deutsch und ist Automechaniker. Wo war er, als wir in Ungarn festhingen. Sulyol hat schon als Kind in Tanzania gelebt, da sein Vater dort als Ingenieur gearbeitet hat. Wadi Halfa ist eine kleine gemütliche Stadt. Alle Menschen begrüßen uns freundlich mit „Welcome“, nur ein paar fragen „Change money“. Tatsächlich wechselt hier keine Bank, sondern man muss auf der Straße wechseln. Wir entscheiden uns für das Restaurant, wo wir öfter essen waren und bekommen einen guten Kurs von 3 SDG pro Dollar.

Wadi Halfa, Sudan, lokale Unterkunft "Lokanda"

Wir nutzen die Zeit in Wadi Halfa auch, um alle Formalitäten zu erledigen. So müssen wir uns als Ausländer im Sudan bei der Polizei registrieren lassen. Nach einem Lauf durch 3 Büros und 53 SDG pro Person später, haben wir einen Aufkleber mit Unterschrift des Kapitäns im Pass. Wenn man im Sudan Fotos machen will, braucht man eine Erlaubnis, die 26 SDG kostet. Auch das können wir schon erledigen, denn sonst geht es erst wieder in Khartoum. Am 20. Januar können wir endlich unseren Hanomag in Empfang nehmen und zahlen insgesamt 45 Dollar für den Carnet-Stempel und den Service von Magdi und Mazar. Dann wollen alle schnell weiter und auch wir machen uns auf den Weg Richtung Dongola. Früher war hier Piste, seit kurzem gibt es eine gute, asphaltierte Straße. Die Sehenswürdigkeiten sind allerdings alle auf der anderen Seite des Nils. Wir fahren soweit wir kommen und campen irgendwo hinter einem Berg. Am nächsten morgen fahren wir nach Wawa, da es dort eine Fähre geben soll. Die Fähre ist aber nur für Personen und kostet 20 SDG. Das ist uns zu teuer, da wir so auch nur den direkt gegenüberliegenden Tempel anschauen könnten. Wir fahren weiter und es bieten sich wirklich schöne Blicke auf den Nil. Als es dämmert suchen wir den Schlafplatz, der bei Tracks4Africa ausgewiesen wird, aber wir schaffen es nicht bis da. Denn die Piste verwandelt sich immer mehr zu tiefem Sand und plötzlich ist es dunkel. Also bleiben wir stehen, wo wir sind – direkt neben dem Kawa-Tempel. Am nächsten Morgen können, wir das, was vom Tempel nicht unter Sand begraben ist, schon vom Hanomag aus sehen. Wir laufen noch kurz durch das Gelände, was im Licht des Sonnenuntergangs toll aussieht, auch wenn es nicht viel zu sehen gibt und fahren dann nach Dongola. Auch hier gibt es inzwischen eine Brücke, wo in unserer Kartenur eine Fähre angegeben ist. Dort frühstücken wir Tamiyas und shoppen auf dem Markt frisches Gemüse. Ein Mann spricht uns auf der Straße an. Wo wir herkommen, wie wir heißen und wie uns der Sudan gefällt, will er wissen. Während das in Ägypten meist der Einstieg war, um uns ins Souvenirgeschäft zu locken, ist es hier echtes Interesse.

Über den Autor

hatte schon immer Fernweh. Als digitale Hanomadin hat sie das Reisen zu ihrem Lebensstil gemacht. Auf runterwegs.de teilt Sie mit Dir Reiseerfahrungen, Reisetipps und was ihr sonst noch in den Sinn kommt.

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