„You, You, You, You, You“

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Nachdem wir am 8. Februar 2011 um 9 Uhr mit den Grenzformalitäten begonnen haben, geht es nun weiter auf der äthiopischen Seite. Hier will sich erstaunlicherweise kein Führer aufdrängen, nur Geldtauscher bieten ihre Dienste an. Wir werden von einer paar rumsitzenden Polizisten zur Immigration geschickt, um unseren Passstempeln zu lassen. Die schicken uns aber wieder weg.

Wir sollen uns erst um das Carnet kümmern. Das Büro ist schräg gegenüber und wir kommen direkt dran. Das Verfahren ist total unkompliziert, solange man das Schreiben von der deutschen Botschaft hat. Dieses haben wir schon gestern vormittag, innerhalb einer Stunde, erhalten und gleich ausgedruckt. Der Beamte ist sehr symphatisch und will nur kurz einen Blick in den Hanomag werfen und die Rahmen-Nummer kontrollieren. Danach bekommen wir unseren Stempel und können zurück ins erste Büro, wo wir den Einreisestempel erhalten. Hierzu müssen wir nur ein Formular ausfüllen. Das Ganze kostet gar nichts. Wir können es gar nicht fassen, nach den hohen Kosten in Ägypten und Sudan. Trotz der Reiseberichte von Stein werfenden Kindern und Bettler von jung bis alt, hat das Land bei uns schonmal einen guten Eindruck hinterlassen. Wie auf Kommando kommt dann doch ein Kind vorbei und sagt „You, You, You, You, You“. Aber es lässt sich leicht wegschicken. Dem Geldwechsler erklären wir freundlich, dass wir lieber bei der Bank wechseln. Er weist uns daraufhin, dass die Bank geschlossen habe. Stimmt aber nicht und dort gibt es auch den besseren Kurs. Wir bekommen ca. 16,7 Birr pro Dollar. Nun starten wir Richtung Gorgora, wo wir ein paar Tage in Kim & Tim’s Village am Lake Tana campen wollen. Wir schaffen es noch knapp vor Dunkelheit da zu sein. Die meisten Leute auf dem Weg winken freundlich, ein paar betteln, aber alle Kinder schreien „You, You, You.“ Der Weg ist streckenweise sehr bergig, und wir müssen zweimal stehen bleiben, um den Motor abkühlen zu lassen. Dafür ist die Landschaft faszinierend, da der Hanomag meistens mit 7 – max. 20 Km/h die Berge hochkraxelt, hat selbst Pat genug Zeit sie sich anzuschauen. Einmal fragt uns ein vorbeilaufender Äthiopier auf englisch, als wir ganz langsam so einen steilen Abschnitt erklimmen „Alles o.k. ?“ Und ein LKW vollgepackt mit Soldaten überholt uns fröhlich winkend.

Von Kim & Tim werden wir freundlich empfangen und dürfen uns einen schönen Platz für unseren Hanomag aussuchen – traumhafter Blick auf den Lake Tana inklusive.Wir zahlen 45 Birr pro Person und es gibt dafür wirklich saubere Toiletten und Dusche. Kim kocht jeden Abend ein leckeres Abendessen, dass alle Reisenden gemeinsam mit Tim & Kim an einem großen Tisch verspeisen und dazu gibt’s leckeres, kaltes St. George Bier. Außer uns sind noch die beiden Backpacker Peter aus USA und Dirk aus Flandern da. Dirk erheitert alle mit seiner Story „When I was in Somaliland“ und Peter ist einfach ein total relaxter Mensch, der die bettelnden Kinder kurzerhand seinen Rucksack tragen lässt und sie dafür mit Erdnüssen bezahlt. Uns gefällt es so gut bei Tim & Kim’s, dass wir gleich 9 Nächte bleiben. Wir relaxen bei tollem Blick auf den Lake Tana und lassen uns von Kim bekochen. Immer wieder kommen neue Reisende an, mit denen wir jeden Abend lange zusammensitzen. So treffen wir zum Beispiel Harry aus Deutschland, der für eine Nacht hier Station macht auf seinem Umzug per Motorrad von Nairobi nach Tadschikistan. Das Vater und Sohn Team aus Südafrika, das zwar kein Bier aber dafür Unmengen an Pepsi konsumiert, hält gemeinsam mit uns bis vier Uhr nachts durch, während wir schon vom Bier zum Ouzo gewechselt haben. Außerdem lernen wir die Österreicher Peter und Traudel, sowie eine südafrikanisch-schottische Familie kennen, die fast den gleichen Weg vor sich haben wie wir. Nach ein paar Tagen sehen wir auch den Fahrradfahrer Stefan wieder, der uns wieder eingeholt hat. Mit ihm machen wir einen Ausflug nach Gorgora und seiner Monastery. Überall rufen die Kinder “ Kim, Tim“, nach Geld oder anderem fragen sie selten.

Stefan kann ein paar Worte amharisch, das für ein paar Spässchen mit den Kids reicht und so haben wir einen sehr lustigen Nachmittag. Wir bekommen sogar Gelegenheit zu schauen, wie das Tef für das Nationalgericht Injera gemahlen wird und können einem Schneider über die Schulter schauen. Bei der Monastery sollen wir Eintritt bezahlen, obwohl auf dem Schild draußen nichts davon steht. Unfreundlich winkt uns der Priester weg. Daraufhin zeigt auf ein Schild mit der Aufschrift „Welcome Tourist“ und fragt neckisch „Welcome tourist or welcome Birr?“. Danach laufen wir noch am Port Hotel vorbei und sind froh, dass wir nicht dort wohnen. Zwar führt dorthin die einzige Asfaltstraße des Orts und es gibt sich mondän, aber überall blättert der Putz und der 50er Jahre DDR-Charme ist nicht wirklich gemütlich. Einen Tag sind Pat und ich sogar so sportlich, das wir den Berg mit dem Mussolini Tower erklimmen. Die Aussicht ist einfach überwältigend. Auf dem Weg dorthin begegnen wir einem Kuhirten der uns aufklärt, das Kühe Gras fressen und Milch geben. Zwischendurch werden wir von einer Horde Kinder begleitet, die sich über ein bisschen Spielen freuen. Irgendwann fühlen wir uns genug erholt, um uns in das Abenteuer Äthiopien zu stürzen und fahren nach Gonder.

Über den Autor

hatte schon immer Fernweh. Als digitale Hanomadin hat sie das Reisen zu ihrem Lebensstil gemacht. Auf runterwegs.de teilt Sie mit Dir Reiseerfahrungen, Reisetipps und was ihr sonst noch in den Sinn kommt.

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